Armut betrifft vor allem Kinder und Jugendliche

UNICEF ruft Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu auf, sich im Interesse der Kinder hinter die neue Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu stellen. Am kommenden Wochenende werden die Regierungen in New York erstmals gemeinsame Entwicklungsziele verabschieden, die für Entwicklungs- und Industrieländer gleichermassen gelten – auch für die Schweiz. Sie versprechen, bis zum Jahr 2030 Armut und Hunger zu besiegen, alle Kinder in die Schule zu bringen, die Umwelt zu schützen und Ungleichheit zu bekämpfen.

Die so genannten „nachhaltigen Entwicklungsziele“ („Sustainable Development Goals“) tragen der Tatsache Rechnung, dass globale Probleme nur gemeinsam zu lösen sind. Sie sind Ausdruck des Willens der Regierungen, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und lösen die Millenniums-Entwicklungsziele ab, welche für die letzten fünfzehn Jahre Gültigkeit hatten.

Herausforderungen auf dem Weg zum Wohlergehen aller Kinder weltweit

Die Millenniums-Entwicklungsziele haben in den vergangenen fünfzehn Jahren den Rahmen für den Kampf gegen Armut und Unterentwicklung gesetzt. Wenn auch nicht alle Millenniumsziele erreicht wurden, so wurden doch massgebliche Fortschritte für Millionen von Menschen erzielt. Die Kindersterblichkeit wurde weltweit halbiert, die Ernährung und der Zugang zu sauberem Wasser und zu Bildung verbessert. Allerdings sind diese Fortschritte sehr ungleich verteilt – sowohl in den verschiedenen Weltregionen als auch innerhalb der einzelnen Länder.

Anlässlich des Gipfels der Vereinten Nationen weist UNICEF auf die enormen, noch immer bestehenden und neuen Herausforderungen für das Wohlergehen der Kinder hin:

  • Fast die Hälfte aller Menschen in Armut sind Kinder und Jugendliche – rund 570 Millionen Kinder weltweit müssen von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben. Arme Kinder sind häufiger krank und haben geringere Überlebenschancen. Sie sind vielfach von Bildung ausgeschlossen oder in der Schule benachteiligt.
  • Weltweit wachsen 230 Millionen Kinder und Jugendliche in Ländern auf, in denen Krieg herrscht oder bewaffnete Konflikte an der Tagesordnung sind. Auf diese Länder entfallen weltweit fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern und die Hälfte aller Kinder, die keine Schule besuchen können.
  • Kinder sind zunehmend von Naturkatastrophen bedroht – vielfach in Folge des Klimawandels. Zwischen 1990 und 2000 waren jedes Jahr 66,5 Millionen Kinder von Naturkatastrophen betroffen – im kommenden Jahrzehnt werden es 175 Millionen Kinder sein.
  • Diese Krisen und Katastrophen drohen, wichtige Entwicklungsfortschritte zu vernichten. Sie treiben Millionen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und als Flüchtlinge oder Migranten eine bessere Zukunft zu suchen. Die Hälfte der weltweit fast 60 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen sind Kinder und Jugendliche.

Millionen von Kindern erhalten heute noch immer keine faire Chance, sich zu entwickeln und ihre Begabungen zu entfalten. Wenn Kinder in ihrer Entwicklung zurückfallen, ist es sehr schwierig, diesen Rückstand aufzuholen. Es entstehen Chancenungleichheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dies hat bedeutende negative ökonomische, politische und soziale Konsequenzen für die Stabilität der ganzen Welt. Deshalb ist wichtig, dass die Weltgemeinschaft mit gezielten Massnahmen jedem Kind eine faire Chance im Leben gibt. Die Welt braucht eine Agenda für Kinder.

Eine Agenda für Kinder bis 2030

Nach mehrjährigen weltweiten Beratungen und unter intensiver Beteiligung der Zivilgesellschaft haben die UNO-Mitgliedstaaten 17 Ziele und 169 Unterziele vereinbart. Die nachhaltigen Entwicklungsziele haben für die nächsten 15 Jahre Gültigkeit und setzen sich zum Ziel, bis zum Jahr 2030 Hunger und Armut zu besiegen, allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, die Umwelt zu schützen und Ungleichheit zu bekämpfen.

Für Kinder sind die nachhaltigen Entwicklungsziele von zentraler Bedeutung, denn den Kindern gehört die Zukunft. Sie werden in und mit der Welt leben, die wir ihnen hinterlassen. Investitionen in Kinder sind Investitionen in die Zukunft, sie sind das fundamentalste Mittel, um Armut auszumerzen, um gemeinsames Wohlergehen und Chancengleichheit zu fördern. Investitionen für Kinder sind essentiell, damit sie ihr Potenzial als produktive, engagierte Mitglieder der Gesellschaft entfalten können. Nachhaltige Entwicklung und Fortschritt beginnt mit gesunden, gut ausgebildeten Kindern, die in Sicherheit aufwachsen. Kein Kind soll mehr vom Fortschritt zurückgelassen werden.

Die neue Agenda der Vereinten Nationen ist eine Chance, das Leben zukünftiger Generationen nachhaltig zu verbessern. Zwölf der siebzehn formulierten Ziele betreffen direkt Kinder und zielen darauf hin, Überleben, Bildung, Schutz und Gleichheit zu fördern.

Was die nachhaltigen Entwicklungsziele für die Schweiz bedeuten

Die neuen Entwicklungsziele gelten sowohl für Entwicklungs- und Schwellenländer als auch für Industrieländer, die ihre eigene Wirtschafts-, Konsum- und Lebensweise nachhaltiger gestalten müssen. UNICEF versteht sich als Anwältin der Kinder, vertritt die Kinderagenda und setzt sich dafür ein, dass die Bedürfnisse der Kinder gehört werden. UNICEF fordert, dass die Regierungen gezielt und verlässlich in Bildung, Gesundheit und Schutz der Kinder aus den ärmsten Familien investieren. Alle Kinder müssen einen fairen Start ins Leben bekommen und der Kampf gegen Kinderarmut muss verstärkt werden – auch in der Schweiz. Denn das Wohlergehen der Kinder ist Massstab für die Zukunftsfähigkeit einer jeden Gesellschaft. Kinder und Jugendliche wollen und müssen bei der Umsetzung und Überwachung der neuen Entwicklungsziele beteiligt werden.

Wie alle anderen Länder der Vereinten Nationen, wird auch die Schweiz sich Ziele und Massnahmen vornehmen, um das Leben für Kinder in der Schweiz kinderfreundlicher zu gestalten und die Chancengleichheit für Kinder zu fördern. Alle Kinder sollen Zugang zu Bildung haben und in ihren Fähigkeiten gefördert werden. Kinder dürfen weder psychischer noch physischer Gewalt ausgesetzt werden. Alle Kinder sollen vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Auch die kinderfreundliche Gestaltung von Lebensräumen ist ein wichtiges Ziel. Ausgewogene Ernährung und Bewegung fördern die Gesundheit der Kinder. Zudem soll die Partizipation von Kindern gefördert und ihre Stimme gehört werden. Alle Kinder müssen dieselben Chancen auf staatliche Leistungen haben.

UNICEF Schweiz wird sich in den nächsten fünfzehn Jahren dafür einsetzen, dass die Ziele für eine kinderfreundlichere Gesellschaft langfristig verfolgt und auch regelmässig kontrolliert und gemessen werden.

Quelle: Pressemitteilung UNICEF

2 Kommentare zu Armut betrifft vor allem Kinder und Jugendliche

  1. Arme Menschen gibt es leider auch in Deutschland. Doch es ist erstaunlich, dass der Staat diese Menschen nicht stärker unterstützt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sicherungen wie die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung oder Sterbegeldversicherung der GKV wurden einfach abgeschafft.

  2. Hallo,

    das Problem mit der Armut ist sehr weitreichend. Denn wer Arm ist wird in der Regel auch in der Arbeitswelt nicht diesen Zustand ändern können. Zusätzlich kommt noch die hohe finanzielle steuerliche Belastung und die gesetzlichen Krankenkasse hinzu. Meist sind die Personengruppen oft Krank, können sich aber nicht erholen.

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