Basilahs Angst vor dem Winter

Es sind ungewohnte Bilder der Hilfe, die uns aus den Nachbarländern Syriens erreichen. Die Bilder, die wir von anderen humanitären Krisen kennen, zeigen Menschen, die Schlange stehen: für Nahrungsmittel, Wasser, für Medikamente und andere Güter. Dass Flüchtlinge Geld bekommen, scheint auf den ersten Blick merkwürdig. Warum CARE und andere Organisationen sich dafür entschieden haben, warum sie nicht direkt Medikamente oder Lebensmittel verteilen? Bargeld auszuzahlen ist eine moderne Form der Nothilfe, für die es vielfältige Gründe gibt.

Es geht auch um Würde

„Es fehlt in Ländern wie dem Libanon nicht an Supermärkten. Man kann alles kaufen, aber dafür braucht man Geld“,

erklärt CARE-Helfer Ali.

„Miete, Nahrungsmittel und Medikamente müssen gekauft werden. Es geht darum,  Flüchtlingen einen Teil ihrer Würde zurückzugeben. Sie können selbst entscheiden, was sie besonders dringend  benötigen.“

Gleichzeitig kurbelt die Unterstützung mit Bargeld die lokale Wirtschaft in den Gastländern an. Das ist im Libanon, wo die Bevölkerung innerhalb von drei Jahren um mehr als ein Viertel gewachsen ist, dringend nötig. Aber Bargeldhilfe ist auch aus der Not heraus geboren. Die Syrienkrise ist die größte humanitäre Katastrophe unserer heutigen Zeit, aber die Hilfe ist dramatisch unterfinanziert. Nur etwa ein Viertel der rund 150 Millionen Euro, die CARE für seine Hilfe benötigt, ist bisher zusammengekommen, durch Gelder vor allem von reichen Ländern. Private Spenden gibt es für Syrien kaum. Der Hilfsappell der Vereinten Nationen, der größte aller Zeiten, ist bisher nur zu rund einem Drittel finanziert. Bargeldhilfe ist eine besonders kostenneutrale und flexible Form der Hilfe, denn sie mindert Transportkosten und hilft den Menschen, für einen längeren Zeitraum einigermaßen auf eigenen Beinen zu stehen. Sie müssen dann nicht jede Woche Schlange stehen, um Hilfsgüter zu erhalten.

Basilahs Angst vor dem Winter

Bargeld ist keine dauerhafte Lösung. Basilah und ihre Enkel werden wohl noch Monate, vielleicht sogar Jahre, in der Fremde ausharren müssen. Ihr Sohn, der früher als Rechtsanwalt gearbeitet hat, wird weiter auf Feldern und auf Baustellen ackern und schleppen müssen, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Ihre Enkel werden nicht zur Schule gehen können, weil diese zu weit entfernt ist und sich die Familie das Geld für den Schulbus nicht leisten kann. Vielleicht werden die Kinder auch bald ihre kleinen Füße in einem Café wundstehen, oder Blasen an ihren Händen bekommen vom Tragen großer, hölzerner Gemüsekisten. Kinderarbeit ist eine traurige Realität geworden in den Nachbarländern Syriens. Aber als Flüchtling kann man nicht sehr weit in die Zukunft planen. Es geht ums tägliche, ums bloße Überleben. CARE kann Frauen wie Basilah nicht zurückgeben, was sie verloren haben. Wir können nicht ihre Arthritis lindern oder ihren behinderten Sohn heilen und wir können ihr nicht sagen, ob ihre Kinder in Syrien noch am Leben sind. Aber mit ein bisschen Bargeld, von dem sie sich das Lebensnotwendigste kaufen kann, können wir ihr ein wenig Würde und Eigenständigkeit zurückgeben. Und ihre Sorgen mindern, dass ihre Enkel die kalten Winternächte nicht überleben werden.

Beitrag von Johanna Mitscherlich, care.de, Referentin für Medien und Kommunikation

Aus: care_affair  / care.de

 

 

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