Die Lüge von der Chancen-Gleichheit

Der Beststeller-Autor und Karrierrecoach Martin Wehrle bringt es in seinem Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger“ auf den Punkt: „das Berufsleben einer Frau wäre wohl für so ziemlich jeden Mann ein Skandal“. Warum das so wäre erklärt Martin Wehrle auf eine humorvolle und witzige Art. Viele Frauen die im Berufsleben stehen und Kinder haben werden sich bestimmt, in der einen oder anderen von Wehrle beschriebenen Szene, wiedererkennen. Die meisten berufstätigen Frauen werden einiges schon selbst erlebt haben. Es ist erstaunlich wie gut Wehrle gewisse Situationen nachvollziehen und beschreiben kann. Aber machen Sie sich selber ein Bild darüber und lesen Sie den nachfolgenden Auszug aus seinem Buch:

Wir Deutschen haben es geschafft, die Berliner Mauer einzureißen, aber eine andere Mauer steht noch. Sie zerschneidet die Berufswelt in zwei Hälften: das Karriere-Land, für ihn, und das Nicht-Karriere-Land, für sie. Wer als Frau die Seite wechseln will, muss sich über die grüne Grenze schleichen, sonst droht offenes Feuer.

Feuer droht durch Journalisten, wenn sie jede Managerin im Interview fragen: „Wie bringen Sie Beruf und Kinder unter einen Hut?“ Das Gerichtsverfahren ist eröffnet, die Angeklagte hat das Wort. Und die Richter lauern darauf, welches Delikt sie denn nun eingesteht: Leiden die Kinder? Oder leidet der Beruf? Dagegen wird der Manager, der das gerahmte Foto seiner Kleinen auf dem Schreibtisch präsentiert, natürlich gefragt: „Wie schaffen Sie es, genug Freizeit mit ihrer Familie zu verbringen?“ Worauf er, selbst wenn er seine Familie nur noch vom Hörensagen kennt, die rührende Geschichte vom frühen Feierabend am Freitag erzählt.

Feuer droht durch eine Gesellschaft, die immer noch durch die Brille der Geschlechter-Klischees schaut: Ein frischer Vater, der seine Arbeitszeit steigert, gilt als guter Versorger; eine Frau, die dasselbe tut, als Rabenmutter. Ein Mann, der für seine Ziele kämpft, gilt als durchsetzungsstark; eine Frau, die dasselbe tut, als verbissen und zickig. Und was „gute Rhetorik“ wäre, aus seinem Mund, sind bei ihr nur „Haare auf den Zähnen“.

Feuer droht auch durch Firmen, die eine Führungsposition immer noch als Altar betrachten, vor dem eine(r) täglich zwölf Stunden zu beten hat, natürlich in Vollzeit und Anwesenheit. Gleichzeitig bezahlen und befördern die Unternehmen nicht nach erbrachter Leistung, sondern nach gesprochener: Wer mit der Verbal-Pistole wedelt und Forderungen stellt, wie es viele Männer tun, erbeutet mehr Ansehen, mehr Gehalt, mehr Macht. Wer erstklassige Leistungen bringt und erwartet, von alleine dafür belohnt zu werden, wie es viele Frauen tun, dem geht es wie im Märchen: Und wenn sie nicht gestorben ist, dann wartet sie noch heute!

Und zu guter Letzt droht Feuer, das Frauen auf sich selbst eröffnen. Was tut ein Mann, wenn er eine Absage auf seine Bewerbung bekommt? Er schimpft auf den Entscheider. Was tut eine Frau? Sie fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Was tut ein Mann, wenn er einen kleinen Erfolg erzielt hat? Er hängt ihn an die große Glocke. Was tut eine Frau? Sie präsentiert das Haar in der Suppe und verspricht, sich beim nächsten Mal zu steigern.

Und wenn eine berufstätige Frau ihre Qualitäten als Mutter einschätzt, vergleicht sie sich nie mit dem Vater des Kindes, wobei sie vorzüglich abschnitte sondern immer mit Vollzeit-Müttern!

Der Sozialismus in Deutschland ist mit der Berliner Mauer gefallen, die real existierende Männerwirtschaft blüht. Ihr Zentralrat muss ein Aufsichtsrat sein, ein reines Männergremium. Oder wie erklärt es sich sonst, dass man bei den 200 größten deutschen Unternehmen 25 Vorstandstüren öffnen muss, bis man die erste Frau findet – dass also nur vier Prozent der Vorstände weiblich sind? Wie kommt es, dass in der Lohntüte der Frauen ein großes Loch klafft, durch das 21 Prozent des durchschnittlichen Männergehaltes rieseln, womit Deutschland Europameister in Gehalts-Diffamierung ist? Und wie passt es zu einer modernen Gesellschaft, dass über 80 Prozent der Teilzeit-Stellen von Frauen bekleidet werden – während Männer bei den Arbeitszeiten so gut wie nie halbe Sachen machen?

Mit freundlicher Genehmigung für FrauenBlog Schweiz von Martin Wehrle

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BuchCover

Zum Autor:

Martin Wehrle ist Deutschlands bekanntester Karrierecoach. Seit vielen Jahren engagiert er sich für Frauen in der Berufswelt. Seine Bücher sind Bestseller und haben rund um den Globus begeisterte Leser gefunden. „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ stand über 150 Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste. „Bin ich hier der Depp?“ (Mosaik, 2013), sein letztes Erfolgsbuch, wies den Weg aus dem Hamsterrad. An seiner Karriereberater-Akademie bildet Wehrle Karrierecoachs aus – bislang zu 75 Prozent Frauen.

Kontakt: www.karriereberater-akademie.de und www.wehrle-redner.de

 

 

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