Das Ärgernis der hohen Strommesskosten rasch beseitigen

Anfang November hat der Bundesrat erneut eine massive Absenkung der Vergütungssätze der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) beschlossen. Die Absenkung wird für Photovoltaikanlagen in zwei Schritten per 1.4.2015 und per 1.10.2015 umgesetzt und beträgt zwischen 12% und 23%. Die Reduktion der hohen Kosten für Lastgangmessungen bei PV-Anlagen wird damit zum dringenden Anliegen, wenn die Photovoltaik noch einen Beitrag zur Energiewende leisten soll.

Hohe Messkosten behindern die Energiewende und den Strommarkt

Energieerzeuger, deren Produktionsanlagen mehr als 30 kW Anschlussleistung haben und eine KEV beziehen, müssen von Gesetzes wegen eine so genannte Lastgangmessung mit Fernauslesung installieren lassen. Dasselbe gilt für freie Stromkunden, die ihren Stromlieferanten wechseln wollen. Die Kosten für die Lastgangmessung trägt der Energieerzeuger resp. der Stromkunde.

Die hohen Messkosten stellen für viele Energieerzeuger ein Ärgernis dar. In einigen Fällen führen sie dazu, dass die erwartete Minimalrendite einer PV-Investition nicht erreicht wird und die Idee der eigenen Stromproduktion aufgegeben werden muss. Aber auch bei vielen Stromkunden, die aufgrund ihres Stromverbrauchs von knapp über 100 MWh berechtigt wären, die elektrische Energie im freien Markt zu beschaffen, werden die möglichen Ersparnisse der marktmässigen Strombeschaffung durch die höheren Messkosten aufgefressen. Deshalb wird auf einen Wechsel von der Grundversorgung in den Markt in vielen Fällen verzichtet. Hohe Messkosten und fehlende Kosten-transparenz behindern somit die Energiewende und auch den Zugang zum Strommarkt.

Das Messwesen ist kein gesetzliches Monopol der Netzbetreiber

Die Netzbetreiber sind für das Messwesen verantwortlich. Das heisst aber nicht, dass sie alles selbst machen müssen. Sie können das Messwesen an einen von ihnen beauftragten Dienstleister auslagern. Sie können aber auch mit dritten Messdienstleistern, die von den Energieerzeugern oder Endkunden beauftragt sind, Regelungen treffen und so echten Wettbewerb ermöglichen. Dass die Endkunden ihre Messdienstleister selbst wählen können, ergibt sich aus einer Mitteilung der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom. Denn gemäss ElCom kann ein Netzbetreiber den beantragten Wechsel zu einem dritten Messdienstleister nur ablehnen, wenn damit der sichere Netzbetrieb gefährdet wäre ¹.

Die ElCom hat überdies festgestellt, dass Preise für Lastgang¬messungen von 600 CHF „unverdächtig“ seien. Mit anderen Worten: Lastgangmessungen von mehr als 600 CHF sind zu teuer. Trotzdem sind auch bei grösseren Netzbetreibern heute noch Preise bis zu 1‘400 CHF pro Jahr und Lastgangmessung beobachtbar. Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, führt solche Preise auf die alte Monopolmanier gewisser Netzbetreiber zurück und auf den fehlenden Druck, sich von der Monopolwelt zu verabschieden und auf Wettbewerb auszurichten ².

Der Wettbewerb im Messwesen beginnt und bringt tiefere Messkosten

Seit wenigen Wochen bietet die neu gegründete Swiss Metering AG Lastgangmessungen für Energieerzeuger und Endverbraucher bereits ab 300 CHF pro Zähler und Jahr an und will den Markt für Messdienstleistungen in Gang bringen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind seit Jahren geschaffen. Allerdings haben die Netzbetreiber ihre Monopolstellung bisher verteidigt. Sie verweigern in den meisten Fällen kategorisch, dass der Endkunde seinen Messdienstleister selbst wählen und zu diesem wechseln kann. Swiss Metering hat deshalb mehrere Beschwerde-verfahren bei der ElCom eingereicht, so dass möglichst rasch mit einem Leitentscheid die Rechtslage geklärt wird. Werden die Verfahren an die übergeordneten Gerichte weitergezogen, droht aber, dass die Erzeuger und Endkunden noch mehrere Jahre überzogene Messkosten bezahlen und die Faust im Sack machen müssen.

In der Zwischenzeit steigt das Interesse an günstigen Lastgangmessungen (nicht zuletzt aufgrund der eingangs erwähnten KEV-Reduktion). Weitere Kundinnen und Kunden schliessen Verträge mit Swiss Metering ab und neben Unternehmen wie Migros fordern zunehmend auch namhafte Politiker wie die Nationalräte Peter Schilliger, FDP LU, oder Roger Nordmann, SP VD, öffentlich Wettbewerb im Messwesen. Über diese wachsende Interessengemeinschaft verdeutlich sich das öffentliche Interesse an Wettbewerb im Messwesen. Der Druck auf die Netzbetreiber steigt, ihren bisherigen Monopolkunden im Messwesen den Wechsel als freie Kunden zu günstigeren Messdienstleistern zu ermöglichen.

¹EICom, Mitteilung, Messkosten und Zugriss au fMessdaten, 12.Mai 2011

²Vgl. Blogbeitrag von Walter Steinmann und Interviews mit den Nationalräten Roger Nordmann (SP) und Peter   Schilliger (FDP auf swissmeterin.ch

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Beitrag von Valentin Gerig, Dr. oec. HSG,

Dr. Valtentin Gerig war bis 2012 Mitglied der Geschäftsleitung der Axpo AG und Leiter der Division Neue Energien. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Swiss Metering AG (www.swissmetering.ch), Inhaber von GERIG & PARNTER (www.gerigpartner.ch), Mitinhaber/Verwaltungsrat der Stromwerk AG (www.stromwerk.ch) und Mitinhaber/Partner der SRM Swiss Renewables Marketplace AG (www.srmarketplace.ch). Er setzt sich für eine effiziente Energieversorgung von Industrie- und Gewerbe wie auch für die Umsetzung der neuen Energiepolitik des Bundes ein.

 

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