Der seltsame Hofnarr 3

Da er gerne mit den Damen schäkerte, zog sie ein besonders tief ausgeschnittenes Gewand an. Wieder riss der Narr seine Possen, hüpfte, sang und sprang, als die nahe bei ihm stehende Gräfin bemerkte, dass die Nacht sich ein wenig aufhellte … der Mond war kurz vor seinem Aufgang. Auch der Narr bemerkte dies, wollte in den Schatten und dann ganz verschwinden, doch sie stand plötzlich vor ihm und lachte ihn kokett an.

Sie nestelte an seinem Kittel, als wolle sie mit ihm tanzen, während er versuchte, sich zu befreien. Ohne ihn loszulassen, bewegte sie ihre Hüften, warf den Kopf zurück, legte ihre Hand dann mit leichtem Druck auf seine Brust. Und zog sie sogleich erschrocken zurück. Denn was sie da ertastet hatte, gehörte nicht zu einem Mann. Die Augen des Narren leuchteten unergründlich, denn in diesem Moment stand der Mond in voller Größe über dem höchsten Turm des Schlosses und goss sein goldenes Licht über den ganzen Hof. Ganz plötzlich schwiegen alle. Vom See her konnte man ein leichtes Plätschern vernehmen. Es wurde lauter und lauter. Als alle erstaunt zum Ufer schauten, sahen sie, wie aus den Tiefen des Wasser eine glänzende Kutsche gefahren kam, ganz aus Aquamarin, gezogen von kristallenen Pferden.

Der Narr warf sein Kappe ab, dunkelbraune Locken quollen in voller Pracht über seine Schultern, als sich seine Kleidung in ein blau-türkisfarbenes Kleid verwandelte und eine große, mächtige Wasserfrau vor ihnen stand. Sie nahm die Hand der Gräfin, küsste sie und bedankte sich.

Mit wenigen Worten erklärte sie, dass sie einst von der Fee der Grünen Berge verflucht worden, denn bei dieser hatten die Bäume statt Blättern Haare, die noch dazu ständig ausfielen. Aus Ärger über den Reichtum an Algen und Seeanemonen im benachbarten Teich hatte sie die Wasserfee kurzerhand dazu verhext, so lange als Narr auf Erden zu wandern, bis einer der hiesigen Grafen sie als Frau erkennen würde, und das in einer Vollmondnacht.

Nun könne sie zurück in ihr Reich und zu ihrem geliebten Mann, dem eisgrauen Herrscher des Sees, der ihr in froher Erwartung die Kutsche geschickt hatte. Mit diesen Worten schritt sie durch die Gasse, die die Menschen gebildet hatten und wollte sich gerade in das Gefährt setzen. Da drehte sie sich noch einmal um, winkte der Gräfin zu und steckte dieser, als sie bei ihr angekommen war, ihren Ring an deren Finger. Er war in all den Jahren ihre Verbindung zu ihrem Gatten gewesen und den sie nun nicht mehr länger brauchte. Und dann verschwand sie mit leichtem Rauschen im silbern schimmernden Wasser, während der Mond langsam hinter die Berge wanderte. Dem Schloss und seinen Bewohnern ist das Glück bis zum heutigen Tage immer hold geblieben.

 

Von Viola Eigenbrodt

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