Der seltsame Hofnarr 1

Mitten in einer lieblichen Gebirgsregion lag einst ein traumhaft schönes Elfenschloss. Hier waren die Berge zwar auch hoch, aber sanft geschwungen und von breiten, weitläufigen Tälern durchzogen, die einem die Luft zum Atmen ließen. Der Blick konnte frei umherschweifen und all den Liebreiz der Landschaft in Ruhe genießen. War der Pass dorthin überwunden, blickte man auf einen großen schilfumstandenen Teich. Geschwätzige Seerosen schwammen auf ihm und gaben in einem fort Privatnachrichten der Seebewohner durch, die sich im Fishbook eingetragen hatten. Sehr zur Freude des Gründers, Paulus Salzbergwerk, der Öffentlichkeitsarbeit sehr liebte.
Die Oberfläche des Sees war glatt und ließ Tiefe ahnen. In ihm spiegelte sich der blaue Himmel mit seinen hübschen weißen Wolken, die gerne Nachlauf spielten.

Auf einer kleinen Insel stand das kastellartige Schloss, dessen braungelbe Sandsteinmauern sich im klaren Wasser des Teichs spiegelten, so dass man glaubte, es zweimal zu sehen, einmal oberhalb und einmal unterhalb der Wasserlinie. Ein wahres Märchenschloss mit gezackter Zinnenmauer, nicht erbaut, sondern von Anbeginn einfach mit dabei gewesen, gewachsen sozusagen, wie das Wasser um es herum.

Mannigfaltige Blumen und hohe Palmen wuchsen um das Gemäuer, eine alte Trauerweide angelte mit ihren langen, dünnen Ästen ständig nach den zahlreichen Klößen im See.

Das ganze Ensemble war ein lebendiges Gemälde mit vielen Geheimnissen und wundersamen Ereignissen.
Der dort residierende Graf und seine Gemahlin waren in ihrer Elfenschaft sehr beliebt, denn sie sorgten gerecht für ihr Volk. Alle hatten ihr Auskommen und niemand wurde ausgenutzt. Besonders beliebt waren die großen Rave-Schlossfeste im Sommer, wenn, immer an Vollmond bei Freibier und Spanferkel, HipHopbands in Trachten aufspielten und die Plattenteller qualmten.

Dann waren im gepflasterten Hof die Bäume mit Girlanden geschmückt und Fackeln erhellten die Nacht, bis sich die große, gelbe Kugel des Mondes zeigte und alles mit milchigweißem Licht in eine wunderbare Zauberwelt verwandelte.
Gerne sah man den Dragqueens zu, die auf dem Pflaster Himmel-und-Erde spielten.

Im Winter, wenn die Eisblumen fantasievolle Muster an die Fenster malten, gab es Bälle und Tanzvergnügen unter schweren, goldenen Kronleuchtern und glitzernden Kristalllüstern. Zwischen den Mahagonisäulen des Ballsaals tauschten manch verschmitzte Augenpaare kecke Blicke aus, während auf schweren, orientalischen Teppichen kleine runde, silberne Tische vor Diwanen aus Samt und Seide standen.

Auf ihnen türmten sich tausendundeine Leckerei aus Schokolade und Marzipan, dazu Kandis und liebevoll gestaltete Törtchen. Riesige, weiche Vorhänge aus purpurfarbenem Satin, mit kostbaren bestickten Spitzen, hingen vor den großen Fenstern und hielten die Kälte ab. In diesem Raum schienen die tanzenden und lachenden Elflein vor Lebensfreude zu dampfen. Das machte das Grafenpaar froh. Dennoch war es so, als würde etwas fehlen, wenn auch keiner so genau wusste, was.

Von Viola Eigenbrodt

Lesen Sie hier nächste Woche Teil 2 von „Der seltsame Hofnarr“

 

 

 

 

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