Die Logik des menschlichen Körpers 6

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In den letzten Blog-Beiträgen habe ich davon gesprochen, warum ich über das Laufen schreibe, dass man mit dem Laufen gleich beginnen sollte, und dass Sie sich zu Beginn klar werden sollten darüber, warum Sie eigentlich laufen. In den nächsten Beiträgen möchte ich auf die Grundlagen eingehen, wie man Sport betreibt und „trotzdem“ gesund bleibt.
Leider gibt es eine Einschränkung zu diesem Prinzip: durch unser „zivilisiertes“ Leben wissen wir oft nicht mehr, was unser Körper will, und er gibt scheinbar verwirrliche Signale. Der Mensch hat an sich einen angeborenen Bewegungs-drang. Es würde uns nicht in den Sinn kommen, dass es angenehmer ist, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Ich habe mir sagen lassen, dass Huskies (sibirische Schlittenhunde) ihre Herrchen und Frauchen zu beissen anfangen, wenn ihnen ihre tägliche Ration Bewegung nicht zugestanden wird. Diese Art von Bewegungsdrang ist auch für den Menschen normal – es sollte uns geradezu unangenehm sein, nur herumzusitzen.

Und tatsächlich können diejenigen, die schon eine ganze Weile regelmässig laufen, bezeugen, dass sie ganz unglücklich sind, wenn sie ein paar Tage nicht laufen können. Aber wer es noch nicht gewohnt ist, könnte auf die Idee kommen, dass dieser innere Schweinehund eben die Sprache des Körpers ist, der uns sagt, dass er jetzt nicht will. Ebenso verlieren Menschen, die immer zu wenig trinken, ihr Durstgefühl. Und was ist mit dem Drang nach Zucker, oder anderen stark fetthaltigen oder ungesunden Nahrungsmitteln? – Unser Körper wird ausgetrickst, bis er ob all der unnatürlichen Nahrungsmittel selbst nicht mehr recht weiss, was er wirklich will.

Die Lösung dieses Problems ist einfach: man verhält sich gemäss dem Evolutionsprinzip eine Weile in etwa so, wie es unserem Körper gerecht wird, und dann justieren sich diese Körpersignale innert kurzer Zeit wieder ganz natürlich selbst. Aber man muss sich auch weiterhin ein Bisschen Mühe geben, auf den Körper zu hören. Denn manchmal will unser Verstand etwas anderes als unser Körper, und dann schlägt man die Signale leicht in den Wind. Das gilt z.B. auch für das Übertraining. Wenn man viel Ehrgeiz hat, dann will man viel trainieren. Und wenn der Körper sagt, dass genug ist, macht man dann eben doch weiter. Aber dann verbessert man sich nicht mehr wirklich – es ist dann einfach zu viel und man würde es besser sein lassen. Betrachten Sie Ihren Körper als Freund und hören Sie auf Ihn. Seien Sie gut zu ihm und geben Sie ihm, was er will.

Trotz all meiner Empfehlungen, die ich Ihnen geben mag, was man tun oder lassen soll, sage ich auch immer: wenn Ihr Körper Ihnen ein klares Signal gibt, dann beachten Sie es, selbst wenn es das Gegenteil von dem ist, was ich oder jemand anderes sagt. Ich sage, Sie sollen vor allem regelmässig trainieren und sich von nichts davon abhalten lassen. Wenn aber ein klares Körpersignal kommt, dass sie heute wirklich nicht bereit sind zu trainieren, dann lassen Sie es bleiben. Vertrauen Sie Ihrem Körper – er weiss es besser als ich, und auch besser als Sie es mit Ihrem Verstand wissen.

Ich möchte das illustrieren anhand eines Beispiels aus der Ernährung.

Es wird ja viel darüber geredet, wie viel man essen soll und was, und im Rahmen fast aller Diäten geht es um das Zählen von Kalorien. Nun betrachten Sie diese Erdnuss (http://www.delicardo.de/sites/default/files/pictures/Fotolia_4752375_L_Erdnuss.JPG). Sie enthält zwei Erdnusskerne, diese wiegen je nach Grösse zusammen etwa 1.5 Gramm und enthalten damit etwa 10 Kalorien, weil sie sehr fettreich sind. Wenn Sie täglich eine solche Erdnuss zu viel essen – also mehr als Sie verbrauchen – dann nehmen Sie pro Jahr etwa ein halbes Kilo zu und in 20 Jahren 10 Kilo. Wenn Sie mit 20 normalgewichtig waren, hätten Sie mit 40 also 10 Kilo Übergewicht, das ist doch schon eine Menge, und bis Sie 80 Jahre alt sind, hätten Sie schon 30 Kilo Übergewicht. Und das wegen einer Erdnuss pro Tag!

Und doch ist ein Mensch, wenn er sich einigermassen bewegt und einigermassen gesund isst, immer etwa gleich schwer. Er macht keine Diät und zählt keine Kalorien. Und trotzdem sagt ihm der Körper anhand des Hungergefühls sozusagen auf die Erdnuss genau, wie viel er essen muss. Ist das nicht erstaunlich? Wir liegen nicht einmal eine Erdnuss pro Tag daneben! Wenn Sie berechnen müssten, wie viele Kalorien Sie verbrannt haben und wie viel Sie essen, lägen Sie mit Leichtigkeit viel mehr daneben – jeden Tag. Es wäre eine unglaubliche Rechnerei. Aber der Körper weiss das alles und teilt es uns auch mit, mittels eines wohljustierten Hungergefühls. Glauben Sie mir jetzt, dass Ihr Körper es besser weiss als Sie selbst es sich ausrechnen könnten?

Lernen Sie, wieder auf den Körper zu hören. Spielen Sie ihm keine Tricks mit künstlichen Nahrungsmitteln, welche nach etwas schmecken, was nicht drin ist, und die süss schmecken, wenn sie es nicht sind (sondern nur Süssstoffe enthalten). Das gilt auch für die vielen Sportgetränke, Riegel etc. Wenn es von künstlichen Inhaltsstoffen wimmelt, wenn es Farben und Geschmacksstoffe enthält, allerlei Süssstoffe (selbst wenn diese gesundheitlich ansonsten unbedenklich sein mögen, wie z.B. Stevia) und sonstiges künstliches Zeug oder stark verarbeitet ist, dann schmeissen Sie es weg.

Essen Sie wirkliche Nahrung, schlafen Sie genug, und gehen Sie laufen. Trinken Sie Wasser oder Tee und keine komischen Getränke, die entweder stark gesüsst sind oder mit schädlichen Süssstoffen versehen. Frieren Sie ab und zu, haben Sie ab und zu heiss, fasten Sie ab und zu einen Tag. Tun Sie das, was für den Körper natürlich ist, und hören Sie wieder auf ihn. Er wird es Ihnen danken – und Sie werden auch ein besserer Läufer oder Läuferin, und davon sprechen wir ja hier.

Beitrag von David P. Amrein

Heilpraktiker,lic. oec. HSG
Leiter Dr. Clark Zentrum seit 1998
Zieglerstraße 44
CH-3007 Bern, Schweiz

Lesen Sie hier alle Beiträge von David Amrein:  http://frauenblog.ch/?s=david+amrein

 

1 Kommentar zu Die Logik des menschlichen Körpers 6

  1. Hinsichtlich des Körpergefühls für Ernährung und Bewegung haben wir „moderne Menschen“ mehr oder weniger völlig die Orientierung verloren. Jahrzehntelanger Überschuss an Zucker, Fett, künstlichen Geschmacksträgern und chemische Zusatzstoffe haben unseren Geschmackssinn verändert. Auch unser Hungergefühl ist nicht mehr im Gleichgewicht, da viele Getränke und Fast Food ein regelrechtes Suchtgefühl auslösen. Wer wieder zurück zu einem normalen, gesunden Essverhalten finden will, sollte auf ungesunde Fertiggerichte und sonstige künstliche Lebensmittel völlig verzichten. Auch in punkto Bewegung müssen erste Schritte gesetzt werden, um den Körper wieder in die richtige Richtung zu lenken. Nur durch eine dauerhafte Umstellung der Lebensgewohnheiten kann dieses natürliche Körpergefühl wieder erreicht werden, welches uns unbewusst zu einer gesunden Lebensweise führt.

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