Die Herrin der Blumen

Es waren einmal die Fee Minnemare, die Herrin der Blumen, und der Ritter Eisenbart, die sich vor langer Zeit an einem Fluss unter einer Weide kennengelernt hatte. Sie hatte ihm sein trauriges Herz geöffnet und ihm den Weg gezeigt, der für ihn der richtige sein konnte, nachdem er jahrelang den falschen entlang geritten war. Sie war danach verschwunden, und er hatte sie unbedingt wieder finden wollen. Indem er vielen Menschen half, mit ihnen redete, ihnen viel gute Laune machte, sie zum Lachen brachte und Kindern beglückte, fand er seine Berufung.
Da wuchs eine Idee in ihm, er wollte all die Geschichten, die er erlebt hatte, aufschreiben, denn er hatte Spaß an Sprache. Seine Fee hatte er darüber nicht vergessen, sie wohnte in seinem Herzen, und nach er sehnte sich nach ihr. Ihr Bild war ihm stets vor Augen, er hörte ihre sanfte, tiefe Stimme in seinem Ohr, er fühlte sich ihr nahe, er liebte sie. Die Zeit wurde reif, seine Minnemare wieder zu finden, sie wieder zu sehen und sie in die Arme zu schließen. Er ließ seinem Zelter die Zügel schießen und vertraute sich ihm bedingungslos an.

Er führte ihn weit hinaus über den Horizont, in die bunten Schleier des abendroten Rosengartens hinauf zum goldenen Schloss auf den Wolken. Er war so in Gedanken, dass er nicht einmal bemerkte, dass die großen Pflastersteine des Weges in das Schloss und des Schlosshofes selber aus purem Gold gearbeitet waren. Inmitten ihres duftenden Kräuter- und wogenden Blumen-gartens stand die Herrin der Blumen, wie man sie nannte, denn sie vermochte es, mit ihren Zauberstab aus Ebenholz aus einer dürren Wüstenei eine blühende Oase zu machen.

Lächelnd empfing sie ihren müden Ritter und begleitete ihn in ihre weiten Gemächer, wo sie ihn mit einem kräftigen Wein in einem silbernen Becher und einem erlesenen Mahl auf silbernen Teller stärkte. Warm wehte der Abendwind durch die langen weißen Vorhänge der hohen Fenster und der zarte Duft von Lavendel und Heu erfüllten das Gemach. Das schwere Herz des Ritters Eisenbarts wurde leichter und leichter, denn Minnemare nahm seine Hand und legte sie auf ihre. Sie lächelten einander an und legten sich in ihr von einer nachtblauen Damastdecke, die mit goldenen Sternen bestickt war, bespanntes Bett und umarmten sich.

Sie berührten sich und fühlten, wie die Liebe Einzug hielt in ihre Herzen und ihre Seelen. Als sie wieder aufwachten, blinzelte die Sonne lustig durch die grünen Butzenscheiben und begrüßte die Liebenden. Für immer würden sie zusammenbleiben, getragen von ihrer großen Liebe und von den unermesslichen Gefühlen für einander. Von Zeit zu Zeit sattelte der Ritter seinen Falben und zog mit ihm durch das Reich, um nach dem Rechten zu sehen. Manchmal blieb er lange weg, manchmal kürzer. Aber er kehrte immer wieder zurück zu seiner Fee, der Herrin der Blumen, um sich auszuruhen in ihrem Garten und ihrem Schoß.

 

von Viola Eigenbrodt  

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