„Brief aus Bern“

Schon 1899 forderte der Bundes Schweizerischer Frauenorganisationen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Seit 33 Jahren steht in der Verfassung, dass Frauen und Männer Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit haben. Trotzdem stellte das Bundesamt für Statistik heute fest, dass sich der Lohnunterschied anstatt verkleinert weiterhin vergrössert hat. In Zürich ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern besonders gross.

Beim Medianlohn beträgt die Differenz 29,9%, gesamtschweizerisch sind es 23.2%. Nur zwei Drittel der Differenz lassen sich mit Faktoren wie Ausbildung und Erfahrung erklären, der Rest ist diskriminierend. Der Bund hat den Lohndialog auf freiwilliger Ebene eingeführt, da die Arbeitgeber versprachen, dafür zu sorgen, dass die Lohngleichheit eingehalten wird. Allerdings fand wenig Dialog statt und die Lohnschere schloss sich nicht. Deshalb wird Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Juli entscheiden, ob der Bund beim Lohndialog bleibt oder eine Gesetzesänderung initiiert um die Einhaltung der Verfassung zu erzwingen. Wir Frauen haben genug von den bis heute nicht eingelösten Versprechungen der Wirtschaft.

Deshalb ist – leider – ein gesetzliches Handeln nötig.

Am 18. Mai stimmen wir Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über ein emotionales Thema, die Pädophilen-Initiative, ab. Der Schutz von Kindern und ihrer körperlichen, geistigen und sexuellen Integrität ist ein zentrales Anliegen unserer Gesellschaft, das ist unbestritten. Deshalb hat das Parlament einen Gegenvorschlag verabschiedet der am 1. Januar 2015 in Kraft tritt. Wir stellen fest, dass Befürworter und Initiantinnen Stimmung machen, populistisch argumentieren und Emotionen anheizen. Die Gegner der Initiative begründen ihr Nein sachlich: Mit dem Automatismus des Arbeitsverbots, um ein Beispiel zu nennen, würden Einzelfälle wie eine Jugendliebe erfasst. Ein 19- jähriger der mit einer 15- jährigen eine einvernehmliche Liebesbeziehung eingeht, wird dann bestraft und darf, Z.B., nie mehr eine Juniorenmannschaft trainieren. Das ist unverhältnismässig und absurd. alliance F findet die Pädophilen-Initiativ überflüssig und unverhältnismässig und empfiehlt ein sachliches NEIN. Schwere sexuelle Misshandlungen werden heute schon, und später mit dem Gegenvorschlag des Parlamentes, hart und konsequent angefasst und geahndet.

Wir stimmen auch über die Anschaffung des Gripen ab. Gut drei Milliarden Franken kostet die Anschaffung und in den nächsten zehn Jahren noch einmal so viel für Unterhalt und Betrieb. Wir betonen dass alliance F sich für die Sicherheit des Landes einsetzt und die Armee unterstützt. Die Ukraine-Krise zeigt aber, dass heute Konflikte mehrheitlich auf dem Boden und im Internet ausgetragen werden. Deshalb empfehlen wir ein NEIN zur Anschaffung von 22 Kampfflugzeugen für 3,126 Milliarden Franken.

Von der Mindestlohninitiative würden viele Frauen profitieren. Frauen arbeiten oftmals in Berufen mit sehr tiefen Löhnen. In der Schweiz verdient jede achte Frau weniger als 22 Franken pro Stunde, bei den Männern ist es nur einer von 25. Das Risiko für tiefe Löhne arbeiten zu müssen, ist besonders bei der Teilzeitarbeit und bei Arbeit auf Abruf gross. Ein Mindestlohn würde den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer nicht komplett beseitigen, wäre aber ein weiterer Schritt in Richtung Lohngleichheit. Wir empfehlen Ihnen, sich zu dieser Initiative Überlegungen zu machen.

Die Opfer der Schweizer Fürsorgepolitik verlangen mit der Wiedergutmachungsinitiative späte Gerechtigkeit. Es sind  ehemalige Verding- und Heimkinder, Zwangssterilisierte, Fahrende oder administrativ Verwahrte. Darunter sind sehr viele Frauen, die ihrer Jugend beraubt wurden und vielfach noch heute mit den Folgen leben. Die Entschuldigung des Bundesrates war ein wichtiger Schritt, es braucht nun auch eine finanzielle Wiedergutmachung. Der Vorstand von alliance F steht hinter der Initiative und wird sie aktiv unterstützen.

Die 114. Delegiertenversammlung von alliance F findet am 17. Mai 2014, 9.30 Uhr, im Kursaal Bern statt. Unsere Delegiertenversammlung steht im ersten, thematischen und öffentlichen Teil unter dem Titel „Energiewende: Taten statt Worte“. Dazu werden Sie ein Referat von Herrn Daniel Büchel, Vizedirektor BFE, Leiter der Abteilung Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, Leiter des Aktionsprogramms „Energie Schweiz“ hören und anschliessend eine Podiums-diskussion mit Fragerunde. alliance F wird den Weg in die nachhaltige Energiezukunft ganz konkret mitgestalten.

Im Anschluss wird zum fünften Mal der Ida Somazzi-Preis im Rahmen der Delegiertenversammlung von alliance F übergeben. Der Preis der SOMAZZI-STIFTUNG zeichnet Leistungen aus, die zur Förderung von Erwachsenenbildung, Friede, Freiheit, Menschenrechten und Menschenwürde – und damit auch Frauenrechten – beitragen. Preisträgerin 2014 ist die Berner Rapperin Steff La Cheffe. Die Laudation hält Michèle Roten.

Programm und Anmeldung zur DV finden Sie auf www.alliancef.ch

Mit freundlichen Grüssen
Rosmarie Zapfl, Präsidentin alliance F
PS: Mittwoch, 19. November 2014: Präsidentinnenkonferenz

 

Geschäftsstelle: Tiergartenstrasse 23 B, 8802 Kilchberg / office@alliancef.ch / www.alliancef.ch / Tel: 031 318 10 60

 

 

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