Zwangsarbeit für weibliche Hausangestellte in Katar

Ausländische Hausangestellte werden in Katar gnadenlos ausgebeutet, leisten Zwangsarbeit und haben keine rechtlichen Möglichkeiten, um sich gegen körperliche und sexuelle Gewalt zu wehren. Das belegt der neue Amnesty-Bericht «Der Schlaf ist meine Pause».

Mindestens 84’000 Migrantinnen, mehrheitlich aus Süd- und Südostasien, leben und arbeiten als Hausangestellte in Katar. Mit falschen Versprechungen ins Land gelockt, finden sie sich in ausbeuterischen, unmenschlichen Arbeitsbedingungen wieder.

Der neue Bericht von Amnesty International nimmt ihre Situation unter die Lupe und fördert Schockierendes zutage: «Manche Frauen arbeiten bis zu 100 Stunden pro Woche, ohne einen einzigen freien Tag. Wir haben mit Frauen gesprochen, die der Willkür ihrer Arbeitgeberinnen oder Arbeitgeber völlig ausgeliefert sind, das Haus nicht verlassen dürfen, oder mit physischer Gewalt bedroht werden, wenn sie sagen, sie möchten gehen», sagt Audrey Gaughran, Leiterin der Abteilung Globale Themen von Amnesty International. «Sie sind Opfer eines diskriminierenden Systems, das ihnen grundlegenden Schutz verweigert.»

Der Bericht von Amnesty International beruht auf Interviews mit 52 weiblichen ausländischen Hausangestellten sowie auf Gesprächen mit Behördenvertretern in Katar und mit Angestellten der jeweiligen Botschaften und Anwerbeagenturen.

Der Gewalt ausgeliefert

Frauen sagten im Interview mit Amnesty International, dass sie geschlagen, an den Haaren gezogen und die Treppe hinunter gestossen wurden. Drei der befragten Frauen wurden vergewaltigt. In keinem der Fälle wurden die Arbeitgeber gemäss Aussage der Frauen zur Rechenschaft gezogen. Unter anderem beschreibt der Bericht das Schicksal einer Frau aus Indonesien, die von ihrer Arbeitgeberin mit einem Bügeleisen misshandelt wurde. Als sie flüchtete, wurde sie von der Polizei in ein Abschiebezentrum gesteckt.

Frauen, die sexuelle Übergriffe anzeigen, riskieren zudem, wegen «unerlaubter Beziehungen» – sexueller Beziehungen ausserhalb der Ehe – angeklagt zu werden, was mit einem Jahr Gefängnis plus Abschiebung bestraft wird. Rund 70 Prozent der Frauen, die im März 2013 im Frauengefängnis von Doha sassen, waren Hausangestellte. Unter ihnen waren Schwangere sowie 13 Kleinkinder unter 2 Jahren, die mit ihren Müttern inhaftiert waren.

Kein Schutz und keine Rechte

Für ausländische Hausangestellte gilt das Arbeitsgesetz in Katar nicht. Somit gibt es keine Arbeitszeitbeschränkungen, keinen Anspruch auf freie Tage und keine Möglichkeit, eine Beschwerde bei den Behörden einzureichen. Das Land können sie nicht so einfach verlassen: Nach dem sogenannten Sponsorengesetz von 2009 sind ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verpflichtet, sich eine Genehmigung ihres Arbeitsgebers einzuholen, wenn sie aus Katar ausreisen möchten.

«Die Fussballweltmeisterschaft 2022 hat ein Schlaglicht auf die miserablen Arbeitsbedingungen ausländischer Bauarbeiter in Katar geworfen», sagt Gaughan. «Die Hausangestellten, die keinerlei Rechte haben und teilweise völlig isoliert in den Häusern ihrer Arbeitgeber leben, sind dem Missbrauch und der Gewalt in einem noch höheren Mass ausgesetzt. Die katarische Regierung muss endlich ihre Versprechungen umsetzen und die Rechte der Hausangestellten im Arbeitsgesetz schützen.»



Quelle: Amnesty International

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