Was ist ein Flüchtling

Über 45 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen, vor Krieg, Verfolgung oder Hunger. Ein Viertel von ihnen sind Kinder. Auch die achtjährige Ghoroob musste ihre Heimat Syrien
verlassen, denn dort herrscht seit 2011 Gewalt. Wie 490.000 andere Syrer hat sie im Nachbarland Jordanien Zuflucht
gefunden. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in einem kleinen Raum in der Hauptstadt Amman. CARE unterstützt
sie und ihre Familie mit Geld für Nahrungsmittel, Miete und mit Decken und Heizungen für den kalten Winter. Sie erzählt ihre Geschichte:

„Ich heiße Ghoroob und bin acht Jahre alt. Auf Arabisch bedeutet mein Name Sonnenuntergang. Ich habe zwei Schwestern und drei Brüder. Ich komme aus Homs im Westen Syriens, der drittgrößten Stadt meines Heimatlandes. Ich mag meine Stadt eigentlich sehr gerne. Aber auf einmal war alles anders. Männer haben mit Gewehren auf andere Männer geschossen. Dann kamen Flugzeuge und haben Bomben abgeworfen. Auch unser Haus wurde getroffen, es war völlig kaputt. Ich hatte riesengroße Angst. Anfang Oktober bin ich zusammen mit meiner Familie zu Nachbarn geflohen, aber auch ihr Haus wurde zerstört. Drei Onkel von mir sind gestorben. Zwei von ihnen wurden erschossen, der dritte Onkel mit einem Messer ermordet. Von Homs aus sind wir in die Hauptstadt Syriens, nach Damaskus, geflüchtet. Wir dachten, dass wir dort sicher sein werden. Das waren wir aber nicht. Immer wieder hörten wir Schüsse und Explosionen. Wir sind also wieder geflohen, diesmal Richtung Jordanien. Die letzten Kilometer bis zur Grenze sind wir sogar zu Fuß gegangen. Auf der anderen Seite der Grenze hat uns dann die jordanische Armee in ein großes Lager gebracht, doch dort konnten wir nicht bleiben. Weil meine älteste Schwester und zwei meiner Brüder geistig behindert sind, haben uns sogar Polizisten bei der Flucht aus dem Lager geholfen. Eigentlich dürfen sie das nicht. Wir sind dann mit einem Bus nach Amman gereist. Das dauerte vier Stunden. Im östlichen Teil Ammans leben wir jetzt zu acht in einer Wohnung mit einem Zimmer, einer kleinen Küche und einem Bad. In dem Zimmer haben wir Matratzen auf den Boden gelegt und dort schlafen wir jetzt alle.

Meine Eltern, meine Geschwister Nadeen, Husam, Abdulhadi, Isra‘a und Abdulmalik und ich. Von den Nachbarn haben wir einen alten Fernseher bekommen. Im Fernsehen laufen immer Nachrichten über den Krieg in meiner Heimat Syrien, aber eigentlich will ich das gar nicht sehen. Ich bin lieber draußen und spiele mit anderen Kindern auf der Straße. Viele von ihnen sind aus Syrien geflohen, wie ich. Sie leben in diesem Teil Ammans, weil es hier günstiger ist als im Rest der Stadt. Als Jordanier lebt man hier nur, wenn man arm ist. Für viele Flüchtlinge ist es beängstigend, an so einem Ort zu wohnen. Sie haben in ihrer Heimat oft in schönen Wohnungen gelebt und hatten eine Arbeit, einen Ort wie diesen sind sie nicht gewohnt. Für die Wohnung müssen wir jeden Monat viel Geld bezahlen. Die Miete kostet über 100 Euro und die Rechnungen für Strom und Wasser liegen meist zwischen 21 und 26 Euro, manchmal sogar noch höher.
Aber wir haben kein Geld. Wir haben gar nichts mehr, kein Haus, kein Spielzeug, keine Möbel oder Küchengeräte. Alles, was wir hatten, wurde in Homs zerstört. Wir haben nur noch die Kleidung, die wir bei der Flucht getragen haben. Und meinen kleinen rosa Rucksack, den habe ich auch mitgenommen. In Homs habe ich einige meiner Spielsachen und Schokolade darin aufbewahrt, die ich dann ganz für mich alleine hatte. Er erinnert mich an Zuhause.

Zum Glück können wir hier in Amman auch in die Schule gehen. Die Zeit dort ist immer sehr schön. Ich treffe andere Kinder und beschäftige mich mit Dingen, die mich von meinen Gedanken an Zuhause ablenken. Für meinen Papa ist es schwierig, Arbeit zu finden. Er hat mir aber gesagt, dass die Menschen von CARE uns helfen können. Sie geben uns etwas Geld und wissen, wo wir Essen und Trinken bekommen. Das ist wichtig, denn wir wissen ja nicht, wie lange wir noch hier bleiben müssen. Am liebsten würde ich sofort wieder nach Hause, nach Homs. Mein Papa sagt, dass wir uns dann ein neues Haus bauen werden. Aber wann das sein wird, das hat er mir nicht gesagt.“

Ein Flüchtling ist eine Person, die „…aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will …“ (Genfer Flüchtlingskonvention von 1951).

Aus: care_affair  / care.de

 

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