Plötzlich Mutter 2

 „Ich weiss noch genau, was mich damals als junge Mutter am meisten genervt hat: Die erfahrenen Mütter, die sich auf den Spielplätzen wie Polizistinnen aufführten und einem über die Schulter guckten. Hast du für dein Baby etwa kein Jäcklein eingepackt? Du weisst aber schon, dass er nicht so liegen sollte, oder? Und diese Elternratgeber sind so nützlich wie ein Sandkasten ohne Sand!“  schimpfe ich, richtig in Fahrt. „Die verwirren die Mütter eher, als dass sie sie beruhigen und versichern, dass es mit der Zeit immer einfacher wird. Es wird nämlich tatsächlich besser: Man wächst in die neue Situation hinein und lernt seine ganz eigenen Tricks. Jede Familie funktioniert da anders. Vor allem aber lernt man, über die eigene Unfähigkeit und die daraus entstehenden lustigen Situationen zu lachen.“

Ich schaue meine Freundin von der Seite her an, ob sie wohl schon genug hat. Aber sie lächelt mich tapfer an.

„Leider fühlt man sich oft ziemlich ausgelaugt und  hässlich. Man verwandelt sich quasi zurück: von einem blühenden Schmetterling in eine kleine farblose Raupe. Oder in eine Milchkuh, könnte man auch sagen.“

 „Wow.“  Meine Freundin schaut besorgt.

„Dein Baby guckt dich mit grossen Augen an und scheint zu fragen: „Wer bist du denn? Du bist meine Mami? Oh je, das kann ja heiter werden! Kann ich eine andere bestellen?“

Pixxi lacht, aber es hört sich ein wenig verunsichert an.

„Weisst du, manchmal,  vor allem abends, wenn ich müde bin, schimpfe ich schon mal einfach drauf los und lasse den Frust raus. Aber dann gibt es diese besonderen Momente: Zum Beispiel auf dem Weg ins Badezimmer, wo sie einfach nur kurz die Hände waschen sollten, weil das dampfende Nudelgericht auf dem Tisch wartet. Nein, es hängt eine Spinne von der Wand! Direkt in der Mitte des Badezimmers! Hängt einfach runter, die Fäden völlig unsichtbar! Ein magischer Moment. Stell dir vor, man zerstört diesen wertvollen Augenblick und schreit genervt los. (Was leider allzu oft vorkommt). Oder als sich die beiden um unseren Teppich gestritten haben, den flauschigen langhaarigen Teppich in unserem Schlafzimmer. Fred hatte erzählt, wie er diesen „fleischigen“ Teppich liebe, er würde am liebsten als Däumelinchen darin leben. Daraufhin hatte Jack ihn ausgelacht, „du bist vielleicht doof, das heisst nicht fleischig! Das heisst fleissig! Es ist ein fleissiger Teppich!“ Dabei hatte er so ernst und altklug gewirkt und Fred war ein wenig beleidigt, aber ich hatte nichts gesagt, hatte nur den Moment genossen.“

Seufzend sage ich: “Meine Kids haben mich zu einem besseren Menschen gemacht.  Ich lerne viel von ihnen: Toleranz und Geduld zum Beispiel. Und das man ein Wesen auf eine Art lieben kann, wie man es sich vorher wohl nie hätte vorstellen können.“

„Ah, dann ist also doch alles gut..“ bemerkt Pixxi erleichtert, als sie von mir brutal unterbrochen wird: „Aber mit dem Sex ist es vorbei. Na ja, wenigstens für ne Weile. Ich hatte damals Null Energie und wollte immer nur schlafen. Der Schlafentzug ist das Schlimmste, es raubt einem jegliche Freude an irgendwelchen Gedanken an eine Beschäftigung, die in direktem Zusammenhang mit erneuter Fortpflanzung steht. Und das hat ja auch seinen Grund!“ Pixxi nickt. Ja, das macht Sinn. Oder auch nicht.

„Auf Partys schlurfst du gezwungenermassen deine Virgin-Drinks, – gekleidet in schlaffe Stretchhosen – während andere Frauen in sexy Kleidchen genüsslich an ihren Proseccos nippen. Du schielst zu deinem Partner, ob er den Unterschied wohl schon bemerkt hat. Elternschaft bedeutet eine starke Veränderung für die Beziehung eines Paares, der Sex geht quasi mit auf Mutterschaftsurlaub… das ist nicht immer ganz einfach. Überhaupt verliert das Ganze an „Sexiness“. Wenn du früher gerne anzügliche Nachrichten an deinen Partner geschrieben hattest, simst du ihm jetzt höchstens: kannst du noch ein Pack Pampers XL einkaufen? (Das letzte Mal hast du die falschen eingekauft!) 1 Pack Nachtbinden für mich nicht vergessen…“

Uff. Erschöpft lasse ich mich in die Sofalehne zurückfallen.  Ich hatte nicht nur meiner Freundin, sondern vor allem mir selbst einen Vortrag gehalten. Ich lache und sage entschuldigend: „Du wolltest es wissen!“

Pixxi schaut mich ernst an. Erst jetzt bemerke ich, dass sie ein wenig bleich wirkt.

„Darf ich das mal zusammenfassen?“ fragt sie: „Keinen Sex, keinen Alkohol, kein Schlaf, kein Spass.“

„Yap. Dafür viel Liebe, Geschrei,  Milch und Dünnschiss.

Pixxi sitzt einen Moment still da und sagt kein Wort, was äusserst ungewöhnlich ist. Dann kullert ihr plötzlich eine Träne die Wange hinunter. Ich erschrecke, noch nie habe ich meine Freundin weinen gesehen.

„Pixxi, was ist denn los? Du weinst ja!“
„Es fängt schon an! Der Stress fängt schon an!“ ruft sie mit brüchiger Stimme.
„Was denn?“
„Meine Hormone!!!!“
„Wie jetzt?“

„Ich bin schwanger!“

„Shit, wieso sagst du das nicht gleich?“ rufe ich geschockt, ich könnte mich ohrfeigen. „Dann hätte ich dir doch die weitaus mildere „Schalldämpfer“-Version aufgetischt!“ 

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Die einen schwelgen in ihrem Glück, reden von nichts anderem, vergessen dabei ganz ihren eigenen Ehemann. Die anderen fallen  in eine tiefe Depression. Dazwischen gibt es diejenigen, die sich irgendwie durch den Tag kämpfen, so gut es anfangs eben geht.

Fortsetzung folgt…..                                               

 „Plötzlich Mutter“ – Teil 1

 

aus   “Frauengeplapper” – by schreiberling.co.uk

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