Soll ich mein Kind in die Kinderkrippe schicken

In der Frage, ab wann man Kinder in eine Kinderkrippe schickt, gehen die Meinungen immer noch weit auseinander. Entwicklungspsychologisch kann der Besuch einer Kita gerade für Kinder aus benachteiligten Schichten sehr sinnvoll sein. Der Mangel an Erziehern gefährdet aber die Qualität der frühkindlichen Bildung.

Bei der Frage, ob man kleine Kinder zu Hause betreut, oder besser schon früh in eine Kita schickt, scheiden sich immer noch die Geister. Während die SVP im Frühjahr 2013 bei der Abstimmung über den Familien-Artikel noch „gegen die Verstaatlichung der Kinder“ wetterte, empfahl die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD im Dezember den Schweizern einen verstärkten Ausbau von Kindertagesstätten, damit Frauen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Herrscht in Bezug auf die Zweieinhalb- oder Dreijährigen noch weitgehende Einigkeit, so hört man doch immer wieder Zweifel, ob denn auch für Kinder von 12 oder 18 Monaten der Kitabesuch wirklich sinnvoll sei. Dabei ist es vielleicht gar nicht die Frage des ob oder ob nicht, über die es sich genauer nach zu denken lohnt, sondern die Frage des wie.

Das entscheidende Zeitfenster

Entwicklungspsychologen sind sich einig, dass die frühkindliche Phase für die weitere Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Der Kinderpsychiater Karl Heinz Birsch erklärt dazu, dass in dieser Phase die neuralen Strukturen des Gehirns angelegt würden und dass es deshalb entscheidend darauf ankomme, was in dieser frühen Zeit passiert und welche Erfahrungen gemacht werden. Kleinkinder brauchen zum Wachsen Kommunikation und klare emotionale Bindungen. Je mehr eine Bezugsperson mit ihnen redet, desto größer wird ihr Wortschatz. Wenn Dennis und Marvin beispielsweise die Müsliburg besuchen, Müsliburg ist eine Kinderkrippe in Luzern, lernen sie wahrscheinlich eher zu sprechen, als wenn sie zu Hause vorm Fernseher liegen. Wenn Eltern sich wenig für ihre Kinder interessieren, ihnen keine aktive Anregung geben, dann tut sich einfach weniger im Kopf. Benachteiligung entsteht nicht nur aus Armut, sondern auch aus Mangel an Zuwendung. Amerikanische Bildungsforscher haben sich in Langzeitstudien ausgiebig mit der Wirksamkeit von Vorschulerziehung in schwierigem sozialem Umfeld beschäftigt. Das Perry Preschool Project und die Studien des Chicago Child-Parent Center kommen beide zu dem klaren Ergebnis, dass jeder in die frühkindliche Förderung investierte Dollar ein Vielfaches an langfristiger Sozialfürsorge einspart.

Qualität durch Erziehermangel gefährdet

Allerdings funktioniert das nur, wenn die Vorausetzungen auch stimmen. Die Qualität der Betreuung ist entscheidend. Für den Bereich der Kleinkinder bedeutet das vor allem mehr Personal. Sinnvoll ist eine Relation von einer Erzieherin zu zwei bis drei Kindern. Sonst funktioniert die emotionale Bindung nicht wirklich. Aber leider ist das längst nicht überall gewährleistet. So viele Erzieher und Erzieherinnen hat das Land gar nicht. Die Ausbildungszahlen nehmen zwar erfreulicherweise zu, halten aber mit dem Bedarf nicht schritt. Vielerorts versucht man die Lücke mit Menschen aus ähnlichen Berufsfeldern zu schließen, was aber nur begrenzt gelingt, weil der Erzieherberuf finanziell eher unattraktiv ist. Aus dem gleichen Grund ist es auch schwierig, Quereinsteiger für die Erzieherlaufbahn zu begeistern.

Aufwertung des Erzieherberufes

Der Run auf die Kitas dürfte wohl weitergehen, denn junge Familien können es sich heute meist gar nicht mehr leisten, dass ein Elternteil länger zu Hause bleibt. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Um diese in den Griff zu bekommen, wird man kaum umhin kommen, den Erzieherberuf deutlich aufzuwerten.

 

 

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