„Wandervögler“ – ein Buch über Fremdgeher

„Wandervögler“ nennt Catherine Herriger Männer, die wider eigentlich besseres Wissen wie Tornados durch ihre Beziehungen fegen und Fremdgehen für ein Kavaliersdelikt halten, das keine (unangenehmen) Konsequenzen zeitigt. In ihrem Sachbuch „Wandervögler, hat sich die Diplompsychologin auf die Spur der rücksichtslosen Fremdgeher begeben. Grace und Kelly hat Catherine Herriger, Diplompsychologin, Coach, Kommunikationsfachfrau und Autorin für ein exklusives Interview gewinnen können und dürfte mehr über ihr Buch „Wandervögler“ erfahren.

Grace K.: Liebe Frau Herriger, ich freue mich sehr das wir uns über Ihr Buch „Wandervögler“ unterhalten können. Ich muss zugeben, dass mich der Titel so angesprochen hat, dass ich es sofort kaufen musste. Vielleicht auch aus eigener Betroffenheit, aber in erster Linie wegen der Brisanz des Themas. Überall treffe ich Frauen, die nicht nur eine Erfahrung mit der dieser Männergattung gemacht haben!

 

 

Grace K.: Wie ist die Idee zu Ihrem Buch „Wandervögler“ entstanden?

Herriger: Vorerst aus schierer Neugier, weil ich auch aus dem Bekannten- und Freundeskreis immer wieder von Fremdgängern hörte, die ihre Seitensprünge derart bescheuert inszeniert hatten, dass sie auffliegen mussten. Mir stellte sich wiederholt die Frage, ob diese Männer ernsthaft glaubten, sie seien unsichtbar oder wie Rumpelstilzchen sein. So ganz nach dem Motto: Wie gut, dass niemand weiss … etc.“. Nicht die Tatsache des Fremdgehens hatte mich gereizt, darüber gibt es Literatur en masse, sondern das Hinterfragen der erstaunlichen Dummheit dieser Männer, die wegen einem flüchtigen Abenteuer einfach alles aufs Spiel setzen – Ehe, Familie, Reputation.
 

Grace K.: Der Titel des Buches ist grandios. Hat dieser Diskussionen ausgelöst?

Herriger: Und wie! Dabei war es nicht mal „mein“ Titel, sondern der des Verlagsleiter, Dr. Martin Scherer, der das Thema pikant fand und deswegen diesen pointierten Titel beisteuerte.
 

Grace K.: In Ihrem Buch beschreiben Sie die wahren Gründe, weshalb Männer fremd gehen. Können Sie uns dazu ein paar Details verraten?

Herriger: Bei all den Recherchen, Gesprächen und Interviews zum Buch stiess ich immer wieder auf denselben Background: Männer, die meinen, dass sie dürfen, weil sie davon ausgehen, dass ihnen sowieso verziehen wird. Dieselben Männer sind dann total perplex, wenn dem nicht so ist, wenn die Frau Konsequenzen zieht. Im Allgemeinen gehören diese Wandervögler zur Spezies „Mamaprinzen“. Sie wurden von ihren Müttern gehätschelt und als etwas ganz Besonderes erzogen. Was immer sie in der Kindheit und Jugend auch taten, Mama fand es, je nachdem, Klasse oder hat es entschuldigt. Dann haben diesw Mamaprinzen irgendwann mal zu Freundinnen oder Ehefrauen gewechselt, ohne dass ihnen beigebracht wurde, dass es auch für sie Regeln im Zusammenleben gibt. Darunter die der Offenheit, Rücksicht, Loyalität, Respekt und damit der Vertrauensbildung und Verantwortlichkeit. 
   

Grace K.: Was tun wenn der Vogel ausreißt? Wenn er zwar seine langersehnte Beute ergattert hat aber dennoch weiterzieht! Absicht oder Vorsatz?

Herriger: Jede Zweierbeziehung hat ihr eigenes Konzept. Wenn ein Ausreissen, eine Art Beziehungspause diskutiert wird – und zwar vorher! -, dabei auf Konsens stösst bzw. für beide Seiten dieselben Rechte gelten, kann alleine die Absicht schon mal etwas Konstruktives in Bewegung setzen. Einfach aus dem Grund, dass vielleicht erstmals Dinge ausgesprochen werden.
 

Grace K.: Bei welchen „Vögeln“ sollten wir besonders achtsam sein?

Herriger: Bei besagten Mamaprinzen. Diese sind eigentlich leicht erkennbar, da häufig bodenlos eitel und selbstgefällig.

Grace K.: Was hat Alkohol, Psyche, Hormone oder Gene mit fremdgehen zu tun?

Herriger: In meinen Augen sind das nur müde Erklärungsversuche, natürlich im Nachhinein – und damit völliger Quatsch! Wir alle haben den berühmten Moment vorher, in welchem wir laut und deutlich NEIN sagen können. Schliesslich sind wir nicht triebgesteuerte Wesen. Sonst empfehle ich da den Besuch beim Tierarzt.
 

Grace K.: Einmal Wandervogel immer Wandervogel? Gibt es Hoffnung für Wandervögler ?

Herriger: Aber ja! Auch eigentlich längst erwachsene Buben sind noch erziehbar von Frauen mit einem gesunden Selbstwertgefühl. Die Frage ist bloss, ob solche Frauen diesen späten Erziehungsprozess überhaupt auf sich nehmen wollen … Oder nicht lieber zu einem bereits gereiften Partner wechseln, der weiss, was Beziehungsverantwortung und Wertschätzung beinhaltet. Sprich: der von einer vernünftigen, eigenständigen Frau und Mutter erzogen wurde und ein gutes Beispiel in der Ehe seiner Eltern hatte.

 

Grace K.: Warum erfinden Männer haarsträubendsten Lügen nachdem sie uns ewige Liebe geschworen haben, statt einfach zu gehen?

Herriger: Weil sie gerne alles haben möchten: die zuverlässige, mütterliche, fürsorgliche Frau zuhause, die nette Vorzeige-Familie, das gepflegte Heim, aber auch noch die möglichst verrucht-erotische Spielkameradin auswärts. Es sind in der Regel emotional (noch) unreife Männer, die sich in ihrem privaten Bereich nach wie vor als verwöhnte Söhne spüren, die weder Verantwortung noch Pflichten übernehmen müssen, ausser vielleicht den Rasen mähen oder den Müll ab und zu raustragen.

Grace K.: Wie reagieren Männer auf Ihr Buch?

Herriger: Mein Buch ist auch mit einer Prise Humor geschrieben und erlaubt dadurch, dass gewisse Stellen von gewissen Männern überlesen werden können …Gleichzeitig aber hat es eine Flut von Zuschriften ausgelöst, worin Männer sich beschwerten, dass ich den Aspekt der weiblichen Rachsucht wegen einem eigentlich „unbedeutenden“ Seitensprung nicht berücksichtige. Diese Kommentare habe ich dann als eine Grundlage verwendet für die Recherchen zu meinem, diesen März erscheinenden Sachbuch zu ebendiesem Thema („Meine Ex nagelt mich an die Wand. Wenn Frauen sich rächen“).

Grace K.: Sie haben für Ihr Buch drei Männer interviet, die selbst notorische Fremdgänger sind oder waren. Wissen Sie was aus den Dreien geworden ist?

Herriger: Ja. Üblicherweise bleiben die Menschen, die mir erlaubten, ihre verfremdeten Geschichten zu publizieren, im regen oder zumindest sporadischen Kontakt mit mir. Diese Dreiergruppe hat sich nach all den anfänglichern Schwierigkeiten buchstäblich zusammengerauft und trifft sich gelegentlich nach wie vor. Ich darf Ihnen sagen, dass alle drei durch einen Prozess der Reifung und Einsicht gegangen sind.

Grace K.: Was ist der Sex Quotient?

Herriger: Der gehört zum humorigen Teil meines Buches. Wir alle kennen den IQ und den EQ, da fand ich, es fehlt noch der SexQ. Ich empfehle einem Mann jeweils, den Test gemeinsam mit der Freundin oder Frau zu machen. Gemäss dem Feedback soll dies höchst aufschlussreich sein. Und zwar für Beide.
 

Grace K.: Gefällt Ihnen mein Blog Grace und Kelly und was wünschen Sie meinen Leserinnen für die Zukunft?

Herriger: Ich hatte Ihnen, liebe Grace und Kelly, spontan für dieses Interview zugesagt, da ich Ihren Blog nicht nur witzig und geistreich finde, sondern auch informativ und mit Tiefgang. Abgesehen davon, ist mein Sachbuch immer wieder höchst aktuell. Denken Sie nur an den gerade sehr präsenten Wandervögler François Hollande …Ihren Leserinnen wünsche ich nicht nur Spass und Freude, sondern auch schonungsloses, kritisches Denken und damit die Kraft, die Dinge allmählich zu ändern, die sie nicht wirklich glücklich machen.

Grace K.: Ich bedanke mich bei einer wundervollen Frau für ein wundervolles Gespräch und hoffe noch sehr viel von Ihnen lesen zu dürfen!

 

Dieses Interview wurde uns freundliherweise von Grace&Kelly zur Verfügung gestellt.

 

 

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