EIN GEDANKE ZWISCHENDURCH

Der Frust in unserer Gesellschaft sitzt so tief, dass er überhaupt nicht mehr definiert, geschweige denn analysiert wird.
Konkurenzkampf, Zeitdruck, drohende Armut. Erfolg und Glück wird an Geld gemessen, denn wer keines hat, wird zum Opfer der Verachtung, der gesellschaftlichen Hetze. Es gibt ausreichend Objekte für diese gesellschaftliche Verachtung. Asylanten, HartzIV Empfänger, alleinerziehende Eltern – alle sind sie selber Schuld, alle haben etwas falsch gemacht, wie den falschen Beruf gewählt, den falschen Partner geheiratet, sich nicht durchgesetzt.


Woran liegt das? Die gesellschaftliche Struktur steht über dem Menschen. Es geht nicht mehr darum sich als Individium mit spezifischen Fähigkeiten einzubringen, sondern darum, die Individualität der Struktur unterzuordnen. Ungehorsam wird bestraft, und mit Maßregelungen geahndet. Schon Kindern und Jugendlichen impft man ein, was sie zu tun und zu denken haben, um erfolgreich zu sein. Lernen und in diesem Prozeß sich selber finden ist nicht mehr erlaubt.  Gerade Jugendlichen wird unterstellt faul zu sein, wenn sie sich weigern ein Rädchen im Getriebe zu sein, Sklave des Systems zu sein.

Wenn ich an Deutschland denke ziehen in mir schwarze Wolken auf. Schulkinder unterliegen dem Wahnsinn der Pisa-Studien, die nur die Endleistungen des vorgegebenen Standards bewerten. Wissenschaft und Technik bilden den Schwerpunkt, humanisitische und musische Fächer verlieren ihren Wert, werden zur überflüssigen Nebensache.
Als Künstlerin und Pädagogin wurde mit selber oft gesagt, ich solle doch etwas ordendliches machen. Kinder mit Lernschwierigkeiten haben sowieso keine Zukunft und nicht jeder kann es schließlich zu etwas bringen.  Für mich erscheinen diese Aussagen wie ein Alibi, sich selber hervorzuheben, das beste Stück vom Kuchen zu ergattern und die Krümel den andern zu lassen.

Wer mit Kindern, Jugendlichen, alten Menschen, Migranten oder kranken Menschen arbeitet,wird durch Unterbezahlung bestraft. Bloß nicht zu viel Geld in den sozialen Bereich stecken. Der technologische und wirtschaftliche Erfolg zählt. Ethik und Humanismus sind überflüssig, damit kann man keine Konsumgüter produzieren. Und schließlich ist das Endprodukt, die Ware für den Konsumenten, der sich von seinem täglichen Frust ablenken muss wichtiger. Das neueste Handy, die beste Handtasche, der All-Inclusive-Urlaub, das dickste Auto, die coolste Freizeitbeschäftigung. Freunde werden nach sozialem Status ausgesucht und wer nicht mithalten kann, ruscht ganz schnell an den Rand des gesellschaft-lichen Lebens.

Sogenanntes soziales Leben kostet Geld. Mit der Familie oder Freunden ins Kino gehen, sich zu einem Kaffee treffen oder gar zu einem Essen, eine Ausstellung besuchen, einen Workshop zu belegen, ein kurzer Wochenendtrip, kurz: gemeinsame Aktivitäten. Alles braucht das nötige Kleingeld. Nun könnte man sagen: Kein Problem, es gibt auch Dinge die ohne Geld zu bewerkstelligen sind; zum Beispiel Freunde zu einer Party einladen und jeder bringt etwas mit, oder eine gemeinsame Wanderung. Schnell stellt man aber fest, dass das Interesse daran nicht so groß ist, wie an einem Wochen- ende in einer Freizeitanlage mit Schwimmbad, Sauna und Tennisplatz. Und wenn man dann noch nicht einmal ein geräumiges Haus mit schönem Garten anzubieten hat, bleiben die sogenannten Freunde schnell aus.

Erfüllt man also nicht den allgemeingültigen Wohlstandsstandart wird es schwer mit dem sozialen Leben. Geld prägt das soziale Miteinander und wer keines hat, verliert schnell den Anschluss, denn der Mensch will Entertainment. Gerade in den Zeiten von Arbeitslosigkeit, Dumpinglöhnen und sozialem Ungleichgewicht, sollten wir ein wenig darauf achten, menschliche Beziehungen nicht zum Konsumgut zu machen.

Jeder kann heute von Arbeitslosigkeit oder Unterbezahlung getroffen werden. 

Jeder, der zu hoch zu Rosse sitzt, kann ganz schnell fallen.

Bea Badet


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