Schwanger sein ist anstrengend

Man schleppt fünfzehn bis zwanzig Kilo mehr mit sich herum – ich schleppte zweiundzwanzig – , man weiß nicht, wie man schlafen soll mit dieser Kugel, die Beine tun ständig weh und man fühlt sich wie eine alte Frau, die mit Trippelschritten und Pausen ihre Einkäufe nach Hause schleppt. Ich bekam zusätzlich noch RLS (Restlesslegsyndrom), was ich allerdings erst vor einem Jahr heraus fand. Seiner Zeit dachte ich, dies seien ebenfalls Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft. In Wahrheit ist RLS eine neurologische Störung. Man liegt nächtelang wach und hat unruhige Beine. Man muss immer wieder aufstehen und umher laufen oder ein Bad nehmen, damit sich die zuckenden Muskeln beruhigen.

Anstrengender als die Schwangerschaft war nur die Geburt. Die dauerte dann zehn Stunden und war begleitet von den Schmerzen meines Lebens. Aber all das – sollte sich später noch herausstellen – war ein Klacks gegen das, was mir noch bevorstand. Solange ich schwanger war und während der Geburt war immer mein Freund bei mir gewesen. Er hielt meine Hand bei der Geburt, er massierte hin und wieder meine Beine in den Nächten zuvor. Er war da. Er war auch noch eine Woche mit mir und dem Baby in einem Familienzimmer im Krankenhaus untergebracht und so ein, zwei Monate war er wirklich bei der Stange. Und er liebte unser Baby. So wie ich. Das pure Glück.

Offenbar ist so ein Säugling aber für viele Männer einfach langweilig. Ein Säugling will nicht Fußball spielen, erzählt keine Witze, malt einem kein Bild und bringt keine Zeugnisse nach Hause, um elterliche Brüste mit Stolz zu schwellen. Es dauerte gar nicht lange, da wollte Papa A. damit bitte nicht mehr als nötig belastet werden. Schließlich arbeitete er ja auch noch. Und dann war da noch die Band. Und das sei auch Arbeit. Das mache ihm wirklich keinen Spaß. Und dann brauche er ja auch mal einen Ausgleich und de facto war er dann eben einfach plötzlich nicht mehr da. Er arbeitete, er probte mit der Band, er ging trinken und er schlief. Für mich und unser Baby blieb somit leider keine Zeit mehr.

Ich spürte eine Einsamkeit, so groß wie ein eigener Planet, der die Erde zu sprengen drohte.
Babys erster Schnee fiel und Papa schlief. Babys erste Zähne hielten es nächtelang wach und Papa probte. Babys Koliken brachten und zwei in Verzweiflung und Papa arbeitete. Er schaffte es nicht einmal, das Sorgerecht zu beantragen. So beschäftigt war er damit vor seiner Verantwortung davon zurennen. Und ich lernte, was es heißt ganz allein für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein. Zu einhundert Prozent an einen Menschen gebunden zu sein, der zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten die unmöglichsten Dinge einforderte.

Papa lebte den Rock ‘n’ Roll und ich musste das alles tragen. Unseren Haushalt, unsere Familie, unser Kind. Und ich war damit maßlos überfordert. Immer wieder führte das zu Streit und Ärger. A. und ich entfernten uns immer weiter voneinander und hatten uns nur noch Vorwürfe zu machen (“Du lässt mich total im Stich!” “Weil DU unser Leben zerstört hast!” …). A. war fünfundzwanzig, ich inzwischen einundzwanzig als ich das erste Mal auszog und bei einer Freundin unter kam, um mir über alles klar zu werden.

 

Ein Beitrag von Maike von Wegen / mutterseelenalleinerziehend.de

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