Geile Zeit

Ja, ich weiß, es war ’ne geile Zeit. Uns war kein Weg zu weit. Die Band Juli lässt sie etwas schwermütig klingen, diese „geile Zeit“. Zwischen Kindheit und Erwachsensein, mit eigenen Zielen und doch immer wieder noch Grenzen – das lässt sich schwer fassen. Die Wissenschaft definiert Jugend als den Übergang vom privaten Raum in den öffentlichen. Als Kind ist man in seiner Familie eingebettet, wird ernährt, umsorgt, erzogen. Erwachsenwerden bedeutet Selbstständigkeit und einen Platz für sich finden in der Gesellschaft.

Das Erarbeiten sich die Jugendlichen Schritt für Schritt entlang dreier wichtiger Wegmarken: Wenn sie zum ersten Mal ihre Rechte und Bürgerpflichten wahrnehmen, wenn sie eine Familie gründen und wenn sie in die Arbeitswelt eintreten.
In Deutschland dürfen Jugendliche mit 18 bei der Bundestagswahl teilnehmen, ihren Führerschein machen, einen Vertrag unterzeichnen. Weltweit ist diese Wegmarke unterschiedlich geregelt, in den UsA ist man erst mit 21 volljährig. endlich selbstständig tun und lassen, was man möchte, das hört sich erst einmal toll an! Die große Freiheit kommt aber auch mit Verantwortung – Besnik aus dem Kosovo bekam seinen ersten Job mit 17 Jahren, da hatte sein Land gerade einen blutigen Bürgerkrieg hinter sich.

In vielen Ländern, besonders da, wo Armut noch weit verbreitet ist, gilt als erwachsen, wer seine eigene Familie gründet. Und das passiert häufig viel früher als in Deutschland. Kinder müssen gefüttert werden und versorgt, das kann sich eine arme Familie nicht lange leisten. Millionen Kinder auf der Welt müssen deshalb zu schnell erwachsen werden. Zehn Millionen Mädchen weltweit werden jedes Jahr vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. 25.000 neue Kinderbräute pro Tag, das entspricht der Größe einer deutschen Kleinstadt. In Nepal kämpft CARE mit viel Geduld und Überzeugungskraft gegen diese Praxis.

Eine weitere Wegmarke ist die Arbeitswelt: Wer sein erstes eigenes Geld verdient, ist kein Kind mehr. Viele Jugendliche jobben schon während der Schulzeit, nach der Ausbildung oder dem Studium geht es dann richtig los mit der 40-stunden-Woche. Die ist übrigens für Nicolas Böyer und Nikolas Klauser die größte Herausforderung: letzterer war, ersterer ist gerade nach dem Abi für ein Jahr Freiwilliger bei CARE. Generell verschiebt sich der Einstieg in die Arbeitswelt in den Industriestaaten nach hinten, denn Ausbildung und Berufsorientierung dauern länger. Damit steht
auch die Familienplanung für viele junge Menschen in Deutschland erst einmal hinten an. In den Ländern Nordafrikas wünschen sich Millionen junger Leute dagegen nichts sehnlicher, als endlich einen Beruf ergreifen zu können. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Tunesien, Ägypten oder Marokko war ein Auslöser für die Revolten des „Arabischen Frühlings“:

Im Januar 2011 starb ein 26-jähriger Gemüseverkäufer in Tunesien, der sich aus Protest gegen die Chancenlosigkeit selbst angezündet hatte. Eine ganze „Generation in der Warteschleife“ prägt viele arabischsprachige Länder, in denen fast jeder Dritte der 15 bis 24-Jährigen, auch und gerade diejenigen mit Universitätsabschluss, keinen Job hat.

Aus: care_affair  / care.de

 

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