Es scheitert an der Finanzierung

Wann immer ich mir im letzten Jahr die Mühe gemacht habe, Thesen zu sammeln und politische Modelle zu erstellen, die Alleinerziehenden eine Rückführung in den Arbeitsalltag erleichtern könnten, stieß ich auf den immer gleichen Satz: “Es scheitert an der Finanzierung.” Inzwischen bin ich davon mehr als müde. Wenn ich meinen eignen Haushalt zum Maßstab nehme, so könnte ich diesen Satz täglich um die siebenmal gebrauchen.

“Mama, kann ich ein Eis?”

“Es scheitert an der Finanzierung, Schatz.”

“Ich brauche einen neuen Füller!”

“Es scheitert an der Finanzierung.”

“Kann ich bitte mit meiner Freundin zum Fußballspiel gehen?”

“Es scheitert an der Finanzierung.”

“Ich habe keine passenden Schuhe mehr.”

“Tja, die Finanzierung!”

Was für einen traurige Vorstellung. Im Grunde kann ich jedes Bedürfnis und jeden Traum oder Wunsch damit abschmettern. Dafür ist kein Geld da. Leider. Mir fehlt da das Verständnis. Ich weiß gar nicht, wo da den Menschen der Kopf gespalten ist, aus welcher undichten Stelle alles heraus läuft, so dass es jeden Traum mit hinaus schwemmt.

Ganz ehrlich: Ich weiß gar nicht, wie ich all diese Eis, die Ausflüge, die Schuhe und Schulsachen finanziere. Ich habe dieses Geld nämlich auch gar nicht real. Dennoch ist alles da und wir müssen uns nicht beklagen. Wir gehen Abends satt und meistens auch mehr oder weniger zufrieden ins Bett. Wir essen Eis, wenn uns die Sonne nach draußen kitzelt und wir tragen dabei Schuhe. Und da geht es dem Staatshaushalt doch gar nicht anders.

Deutschland und ich, wir haben etwas gemeinsam. Nämlich Schulden.
Wir können beide eigentlich überhaupt nichts finanzieren, aber wir tun es trotzdem. Die Frage, woher der Staat irgendwelches Geld nehmen soll, ist mir vollkommen unverständlich.  Da, wo all die anderen Schulden herkommen, denke ich, sollte man das Geld abschöpfen. Wenn es um Fragen der Finanzierung geht, sollte man vielleicht lieber nach dem Nutzen dieser Finanzierungen fragen als nach ihrer Höhe. Denn was im Kleinen stimmt, stimmt in diesem Fall auch im ganz Großen.

Wenn ich eine zwanzig Jahre alte Waschmaschine besitze, die ihren Geist aufgibt, werde ich sie nicht behalten und fortan dreimal jährlich gegen teures Geld reparieren lassen. Sondern ich werde mir für noch teureres Geld einmalig eine neue Maschine kaufen. Damit spare ich am Ende. Sogar Energiekosten kann ich damit noch senken. Und wenn es schon um Energie geht, liefert sich das gute Argument doch gleich selbst:

Unsere Regierung entlastet beispielsweise Unternehmen mit einem hohen Energieaufkommen mit jährlich mehr als 10 Milliarden Euro. Ich möchte keine Diskussion über das Für und Wider dieser Unternehmen führen. Hoher Energieaufwand hin oder her, aber am Ende ist es doch so, dass die Energiekonzerne Preisabsprachen treffen und einen fairen Wettbewerb somit verhindern. Anstatt also seine Steuerzahler zu ermahnen Energie zu sparen und sie dabei gleichzeitig für die Energieaufkommen anderer zur Kasse zu bitten, sollten sie vielleicht erst einmal für einen echten Markt in dieser Hinsicht sorgen. Vermutlich würden so über Jahre hinweg mehrere Milliarden eingespart.

Und das ist ja auch nur ein Beispiel. Fakt ist: Geld ist genau so gleichzeitig nie da, wie es immer da ist. Und wenn es um wirtschaftrelevante Finanzierungen geht für die es eine breite Lobby gibt, kann dieses Geld auch immer irgendwo aufgetrieben werden. Insofern würde ich mich freuen, diese Frage in Zukunft auszuklammern. Die fällt immer nur dann, wenn es in Wahrheit darum geht, große strukturelle Veränderungen vorzunehmen, die der Gleichstellung dienlich sein könnten. Wenn es um wirtschaftliche Themen geht, gehen wir offenbar jedes Risiko ein und lassen es auf die Versuche ankommen. Wagen wir doch ruhig auch mal einen Auswärtsschritt in Richtung Sozialleben. Es ist nicht so, dass unser Staat keine Experimente wagen würde. Im Gegenteil. Es ist nur so, dass man es eben nur in einigen Bereichen wagt. Also Schluss mit den Ausreden, bitte.

Ein Beitrag von Maike von Wegen / mutterseelenalleinerziehend.de

 

 

 

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