Syrische Freiwillige sind das Herz der Flüchtlingshilfe

1985 riefen die Vereinten Nationen den Tag des Ehrenamtes ins Leben. Johanna Mitscherlich arbeitet für CARE in Jordanien und berichtet über die Rolle von syrischen Freiwilligen in der Nothilfe.

Freiwillige syrische Helfer, selbst Flüchtlinge, sind das Herz und die Seele unserer Arbeit in Jordanien. Jeden Tag betreuen sie neuangekommene Familien, die mit unfassbar grausamen Erfahrungen aus Syrien und Erlebnissen ihrer Flucht zu kämpfen haben. Über 2,2 Millionen Menschen sind inzwischen aus Syrien geflohen, 560.000 davon ins Nachbarland Jordanien.

Die Freiwilligen von CARE sind Ersthelfer: Wenn die syrischen Flüchtlinge in eines der CARE-Zentren in Amman, Irbid, Zarqa oder Mafraq kommen, werden sie dort von den freiwilligen Helfern empfangen. Diese informieren sie über ihre Rechte und die Unterstützung, die sie von CARE und anderen Organisationen erhalten können. Anders als wir ausländischen Mitarbeiter werden die syrischen Freiwilligen direkt und ohne Vorwarnung mit den tragischen Gesichtern der Menschen konfrontiert – das Band der gemeinsamen Heimat und Sprache verbindet und führt dazu, dass Menschen den ehrenamtlichen Helfern schnell ihr Herz ausschütten. Manchmal denke ich, dass es etwa für Programm-Manager, die mit vielen Fällen erst konfrontiert sind, wenn sie zu Papier gebracht wurden, einfacher ist. Die tägliche Begegnung mit so vielen Schicksalen ist eine ständige Erinnerung für die freiwilligen Helfer, dass in ihrer Heimat Krieg herrscht.

Die Freiwilligen sind auch wichtige Botschafter der Hilfe: Wenn Geldgeber oder Journalisten Jordanien besuchen, dann sprechen sie mit den Syrerinnen und Syrern, die hier ehrenamtliche Hilfe leisten. Diese berichten von ihrer Arbeit und den Schicksalen, die ihnen begegnen. Aber sie erzählen auch von der eigenen Flucht und geben so der humanitären Krise eine Stimme.

Die Freiwilligen sind für unsere Arbeit auch wichtige Qualitätskontrolleure. Wir arbeiten ständig daran, den Prozess der Registrierung der Flüchtlinge, die Hilfsgüterverteilung oder den Informationsfluss zu verbessern. Die Erfahrung unserer syrischen Freiwilligen ist dabei von unschätzbarem Wert, denn sie erleben, wo es Lücken und Möglichkeiten der Verbesserung gibt. Und sie erhalten eine direkte Reaktion der Flüchtlinge, deren Meinung und Bedürfnisse im Zentrum unserer Hilfsprogramme stehen.

Das Team der freiwilligen Helfer spiegelt die syrische Gesellschaft in ihrer Pluralität: Es sind Ärztinnen und Studenten, Arbeiter und Lehrerinnen, Christen, Muslime und Drusen. Was sie alle verbindet ist der Wille, ihren Mitbürgern zu helfen, die wie sie selbst ihre Heimat verlassen mussten. Eines meiner schönsten Erlebnisse hier war das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan, als die syrischen Freiwilligen mit dem jordanischen CARE-Team abends zusammensaßen. Man tauschte Erfahrungen und Anekdoten aus, teilte ein Lachen, eine Beobachtung. Kein Mensch ist „nur“ ein Flüchtling, dieses Merkmal wurde jeder Frau und jedem Mann durch die äußeren Umstände aufgezwungen. Sie sind alle Individuen, haben ihr Lieblingscafé, ihren Sportverein, ihre Freunde und Familie, ihre Wünsche und Ziele. Ihr Leben pausiert nun, und diese Leere und Perspektivlosigkeit füllen sie mit Engagement. Ich wünsche mir, dass diese Leistung nicht nur am Tag des Ehrenamtes gewürdigt wird.

 

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