Let’s talk about sex

Drei Buchstaben und die Menschheit rastet aus. S E X . Geht immer. Mit Sex kann man den Menschen alles verkaufen, jedes Gespräch unterbrechen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die meisten von uns werden zu Kleinkindern, sobald ein Begriff in diese Richtung fällt. In jedem Büro, in welchem ich in meinem Leben bis jetzt gearbeitet habe, war dieses Thema immer Nummer Eins beim Mittagessen oder Kaffeetrinken. Immer begleitet von lautem Wiehern und Gezeter. Aber sobald unsere Kinder dieses Sujet für sich entdecken, werden wir plötzlich ganz erwachsen.

Dazu fällt uns nur ein : “Das ist doch nicht lustig. Ohne Sex wärst du nicht auf der Welt!”, mit erhobenem Zeigefinger vor- getragen. Oder: “Pssscht! Du weißt ja gar nicht, wovon du sprichst.“  Das Thema möchte man am liebsten gar nicht besprechen, aber wenn schon: Dann lieber ernsthaft und technisch. Vorallem funktional! Wenn Erwachsene mit Kindern über Sex reden, dann ist der Storch nie weit. Während wir Deutschen uns also freudig paaren, ohne uns dabei fortzu-pflanzen und darüber Witze im Fernsehen reißen, wollen wir unseren Kindern unbedingt verklickern, dass es sich hierbei um eine ernste Sache handeln würde. Und wir tun es nur, um so süße kleine Racker wie Euch zu bekommen! … Selbst-verständlich.

Wenn wir an unsere Aufklärung denken, dann erinnern wir uns sicher an die ernsten Gesichter unserer Eltern in der Kinderzimmertüre, wo sie verkünden, man müsse nun ein erwachsenes Gespräch führen. Wenn überhaupt. Einige meiner Freunde haben mir auch schon gesagt, dass Aufklärung in ihrer Kindheit ein Tabu war. Und heute erlebe ich ähnliche Krämpfe, wenn ein Kind es wagt, irgendwo im öffentlichen Raum ein Wort zu benutzen, dass auch nur im entferntesten mit SEX zu tun hat. Dabei ist das ja alles ganz furchtbar einfach.

Irgendwann bekommen Kinder eben einfach mit, dass wir Erwachsenen rot werden und kichern, wenn mal einer ”Muschi” sagt, dass wir einem Hintern in einem kurzen Rock hinterher starren, dass all diese Reize irgendetwas bei uns auslösen. Und dann entstehen eben Fragen in so einem Kinderkopf. Und mit den Fragen ist es doch im Grunde ganz einfach.

FRAGE-ANTWORT.

Uraltes einfaches Prinzip. So hat Laupenta zum Beispiel im Radio gehört, dass jemand eine verrückte Wette mit Kon- domen gemacht hat und beim Abendessen erzählt sie mir grinsend davon.

“Wie sieht ein Kondom eigentlich aus?”
“Zeig ich dir nach dem Essen!”

So einfach war das. Nach dem Essen also holte ich ein Kondom, erklärte, dass man die Verpackung vorsichtig öffnen müsse, damit man es nicht zerstöre und befreite es aus seiner Aluminiumhülle. Laupenta grinste die ganze Zeit und ich grinste einfach mit. Warum soll ich mich über sie stellen und so tun, als handle es sich hier um ein ernsthaftes Relikt. Ich hab in meinem Leben schon millionenmal über Kondome gelacht und gescherzt. Warum nicht auch mit Laupenta.

“Und wie geht das jetzt?”

Ich holte eine Möhre aus dem Kühlschrank, was natürlich noch mehr lustige Assoziationen auf den Plan rief.

“Hihihi … Ist das ein Schneemannpenis?”

Wir lachten uns schlapp.

“Ja. Das ist ein Schneemannpenis. Und damit der Schneemann nicht schwanger oder krank wird, ziehen wir ihm jetzt mal das Kondom über die Möhre.”

Wir hatten eine Menge Spaß. Erst zog ich das Kondom über die Möhre, dann meine Tochter, schließlich zogen wir das Kondom über unsere Hände und am Ende über meinen Kopf, wo ich es mit der Nase aufpustete. Wir amüsierten uns köstlich. Am Ende umarmte Laupenta mich herzlich und strahlte mich dankbar an.

“Danke, dass du mit mir über Sex redest, Mama.”

“Ich rede gern über Sex.”, erklärte ich und wir kuschelten noch eine Weile glücklich.

So hat dieses Gespräch am Ende nicht nur eine aufklärende, sondern auch noch eine zusammenschweißende Wirkung gehabt. Am Ende gab es noch eine Runde Oxytocin für alle und Laupenta und ich waren mal wieder glücklich darüber, wie gut wir miteinander reden können. Wir reden nämlich beide sehr gerne. Und seit neuestem reden wir auch über Sex. Und dabei ist uns nichts zu heikel. Wir haben bereits darüber gesprochen, dass es verschiedene Stellungen und Spiel- zeuge gibt. Alles selbstverständlich immer nur auf Anfrage. Ich will sie ja nicht überfordern. Man muss seinem Kind keine Antworten aufdrängen, Fragen stellt es von ganz allein und wenn diese kommen, sollte jede beantwortet werden. So gut an eben kann. Und das Lachen dabei bitte nicht vergessen.

Sex ist keine bittre Pille.
Sex macht Spaß!

Ein Beitrag von Maike von Wegen / mutterseelenalleinerziehend.de

2 Kommentare zu Let’s talk about sex

  1. Plus: (kurzer Nachtrag) Ich bin übrigens Lehrerin, daher fiel mir vorhin gleich das Beispiel mit den Eltern und Schule ein. Wenn ich merke, dass meine Eltern sich auf mich verlasse, lege ich Ihnen übrigens immer ans Herz sich einfach mit einer lockerflockigen Kondompackung das Leben etwas einfacher zu machen, dem Kind die Angst zu nehmen und das Ganze im ersten Moment über einen Schmunzler anzugehen. Zwei Elternpaare haben mir sehr positive Rückmeldungen gegeben. Hier so eine Packung: http://www.shop69.ch/drogerie/kondome/ .. Vielleicht hilft’s ja auch dem ein oder anderen, der das hier liest. 🙂

  2. Moin Maike,

    endlich!! Und DANKE! Ich finde es schon nahezu gruselig, dass die Leute sich so schicken über Sex zu sprechen. Und am nervigsten finde ich die Eltern, die hoffen, dass ihr Kind sie bloß nicht fragt, was es damit auf sich hat. Da fässt man sich doch an den Kopf ..
    Daher: Ein herrlich erfrischendes Beispiel, wie man’s richtig macht! Bravo!

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