Die Frau, der Mann und seine Geliebte

Der Quotenmann weiss, welche Frauen sich aus welchen Gründen auf Dreiecksbeziehungen einlassen. Eine Typologie. Eine Bekannte hat sich auf einen verheirateten Mann eingelassen. Das hat mich dazu gebracht, einmal über die Möglichkeiten einer Frau in dieser Situation nachzudenken. Und nein, es wird keine dieser moralischen Abrech-nungen, die überraschenderweise oft von Frauen kommen:

«Diese Schlampe ruiniert eine Ehe!» In meinen Augen trägt in erster Linie der Mann die Verantwortung gegenüber seiner Ehefrau, nicht seine Geliebte.

Es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten einer solchen Dreieckskonstellation. (Lesen Sie auch: «Fremdgehen à la Hollywood») Unterschiedliche Frauentypen lassen sich aus den verschiedensten Gründen auf bereits vergebene Männer ein. Hier ein paar Beispiele:

Das willige Opfer
In der Rolle des willigen Opfers findet man oft eine Frau mit Bindungsängsten. Früher in ihrem Leben verliebte sie sich oft in Typen, die sie sowieso nicht beachteten. So konnte sie schwärmen, romantischen Träumen nachhängen und sich selbst bemitleiden, ohne dass die Gefahr bestand, dass der Typ plötzlich real in ihrem Leben auftauchte. Nun, etwas älter, lässt sie sich auf einen Mann ein, der sich nie von seiner Frau trennen würde, ihr aber trotzdem immer wieder seine Liebe schwört. So läuft sie wieder nicht Gefahr, sich in einer wirklichen Beziehung wiederzufinden. Und meist macht sie das Schicksal oder die Liebe dafür verantwortlich, dass die Kerle ihres Herzens immer schon besetzt sind. Und sie leidet auch mehr oder weniger melodramatisch unter der Situation.

Das verruchte Büroliebchen
Das Büroliebchen ziert sich ein wenig, bevor es etwas mit dem verheirateten Kollegen anfängt. Sie will den Mann eigentlich nicht wirklich, mag aber das Amoralische an der Situation. Sie ist oft etwas jünger als der Mann und bevorzugt Sex an Orten, an denen man erwischt werden kann. Sie liebt Sprüche wie: «Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überallhin». Sie ist grundsätzlich zu selbstbezogen und vertreibt sich so einfach die Zeit mit etwas Nervenkitzel, ohne sich der Dreiecksbeziehung wirklich bewusst zu sein. Sobald sie sich dann in «den Richtigen» verliebt, lässt sie die Affaire sausen und wird ein braves Mädchen, das sich nur noch in den späteren, langweiligen Nächten herzbebend an ihre verruchte Zeit als Geliebte erinnert. (Lesen Sie auch: «Wer sich wie schnell abschleppen lässt»)

Die Organisierte
Diese Geliebte versteht sich selbst nicht als «Geliebte». Sie siehts eher so, dass sie sich einen Lover nimmt, der ihr nicht in ihre eigene Lebensgestaltung pfuschen kann. Sie ist sehr unabhängig, mag keine Typen, die ihr Leben mit ihr teilen wollen und sie von wichtigeren Dingen abhalten. Sie wählt sich bewusst einen verheirateten Mann. Am Liebsten einen mit Kindern, so dass er gebunden ist und auf keinen Fall auf die Idee kommen kann, mehr als einmal wöchentlich aufzutauchen. Eine Pragmatikerin, die eine Affaire schon beendet, sollte der Mann es wagen, mehr als zweimal Blumen mitzubringen oder sonst irgendwas zu tun, das Anzeichen von Verliebtheit trägt.

Das Mauerblümchen
Das Mauerblümchen lässt sich auf einen verheirateten Mann ein, weil sie sich auf jeden einlassen würde, der ihr ein wenig Zuneigung zukommen lässt. Sie hält sich selbst für nicht attraktiv und ihr Selbstwertgefühl ist so gering, dass sie ihren verheirateten Lover immer in Schutz nimmt, egal wie Scheisse er sie behandelt. Sie schafft es, sich jede Verletzung und jede Erniedrigung von seiten des Mannes schönzureden. Sie weint heimlich und sucht den Fehler immer bei sich. Sie nimmt die Brosamen, die bei der Beziehung abfallen und baut sich ein Leben darumherum.

Die Dezentrale
Diese Geliebte ist verwandt mit der Organisierten. Sie hat meistens mehrere Männer in ihrem Leben: einen für die Kultur, mit dem sie klassische Konzerte und Ausstellungen besucht, einen, um Party zu machen und durch die Clubs zu ziehen, einen für philosophische Gespräche, einen, um sich auszuweinen. Und dann natürlich einen fürs Bett. Sie wählt sich als Liebhaber mit Vorliebe einen verheirateten Mann, da die körperliche Nähe für einen Mann Grund sein könnte, Ausschliesslichkeit zu fordern. Bei einem gebundenen Mann ist diese Gefahr ein wenig geringer. (Lesen Sie auch: «Frauen und Männer können heute viel freier wählen»)

Die Pflegerin
Die Pflegerin tröstet. Sie fällt immer wieder auf Männer herein, die anscheinend unter ihrer Ehe leiden. Sie geht nicht mit ihnen ins Bett, weil sie das selbst besonders geniesst, sondern, um dem armen Ehemann ein wenig Linderung zu verschaffen. Sie hört sich auch gerne Geschichten über die böse Ehefrau an und fühlt sich dabei edel, weil sie in ihren Augen ihre Liebe dahin gibt, wo sie am Meisten benötigt wird. Sie sieht sich selbst als unabhängig und merkt in vielen Fällen nicht, dass sie genauso benutzt wird, wie sie den Verheirateten benutzt. Der Deal ist: Sex gegen hehres Selbstbild.

Das Flittchen
Obwohl die Bezeichnung «Flittchen» eine eher negative Konotation hat, ist dieser Typ Geliebte wohl die gesündeste. Sie schläft mit verheirateten Männern, weil sie ihr gefallen und weil sie Lust darauf hat. Ob er verheiratet ist oder nicht, ist ihr egal. Sie will ihn ja nicht besitzen. Sie übernimmt keine moralische Verantwortung für die Ehe, die sie nichts angeht. Sie wird ihn nach einer Weile wieder fallenlassen, weil ein Neuer ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie lässt sich nicht benutzen, sie rennt ihm nicht hinterher, sondern geniesst, wenn sie will, lässt los, wenns nicht mehr geht. Sie ist das, was das verruchte Büroliebchen gerne wäre. (Lesen Sie auch: «Wie viele Männer hatten Sie?»)

Die neidische Furie
Dieser Typ fühlt sich vom Leben immer betrogen. Sie lässt sich auf verheiratete Männer ein, weil sie denkt, das Liebesglück stehe ihr  – und nicht der Ehefrau – zu. Sie will den Mann genau so lange, wie er verheiratet ist. Solange sie in Konkurrenz zur Ehefrau steht, sieht sie es als persönliche Herausforderung, den Mann für sich zu gewinnen. So wird sie nicht «heimliche» Geliebte bleiben, sondern alles daransetzen, dass die Konkurrentin von ihr erfährt. Sie wird mit Zähnen und Klauen um ihr Opfer kämpfen. Nur um ihn  dann, wenn seine Frau sich von ihm trennt, links liegen zu lassen. Sie will nicht den Mann, sie will den Mann einer anderen. Sie hinterlässt nur niedergebrannte Beziehungen.

Beitrag von Réda Philippe El Arbi / clack.ch

1 Kommentar zu Die Frau, der Mann und seine Geliebte

  1. Ist die Geliebte wirklich immer die Böse in der Dreiecksbeziehung? Der einzige, der die meisten Vorteile daraus zieht ist doch der Mann. Er steuert Ehefrau und Geliebte, denn beide werden von ihm mit Hinhaltetechniken manipuliert.

    Wenn eindeutig absehbar ist, dass der Mann sich nicht von seiner Ehefrau trennen wird, sollte sich die Geliebte auf sich selbst und ihr Seelenheil besinnen. Sie ist nicht zum Leiden verdammt, sie kann dem Ganzen ein Ende setzen.

    Ehemänner, die wissen wollen, wie sich die Frauen fühlen, Geliebte, die wieder frei sein wollen und Ehefrauen, die die Schuld der Geliebten geben, können unter seitensprung-fibel.de ein interessantes Interview sowie Buchrezension lesen, die evtl. ihre Sicht auf die Dinge ändert.

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