Keine Geheimnisse vor dem Zahnarzt

Hach. Heute bin ich so glücklich, dass es fast wehtut. Tut es aber nicht. Gar nichts tut mehr weh.  Ich war heute Morgen beim Zahnarzt und jetzt sind die Schmerzen Geschichte! Das Schlimmste an Zahnarztbesuchen – finde ich ja –  ist die Tatsache, dass Zahnärzte mit einem kurzen Blick in meinen Mund meinen gesellschaftlichen Status ermessen können. Ich kann ein GUCCI-Kostüm tragen und nach teurem Parfum riechen. Sobald ich den Mund aufmache, ist meinem Zahnarzt jedes Geheimnis bekannt.

Außerdem geht es mir wie den meisten: Ich ertrage einfach nicht, dass jemand im Innern meines Kopfes mit Werkzeugen herumfummelt, ohne dass ich begreifen kann, was genau er da eigentlich tut. Der Zahnarzt bei dem ich heute war, hat mich darüber keine Sekunde im Unklaren gelassen und sehr anschaulich beschrieben, was zwischen seinen Fingern und meinen Zähnen gerade so alles vor sich ging. Das hat mir allerdings auch einen Schrecken eingejagt.

Laupenta zappelte fröhlich um den Stuhl herum, schoss Fotos von mir und sah sich alles genau an. Ich tat so, als mache mir das alles überhaupt keine Angst. Sieh mal, wir sind beim Zahnarzt. Wie lustig. Tut auch alles gar nicht weh und so. Friede! Aber Kinder haben ja diese merkwürdigen Antennen für Dinge, die sich nicht bemerken sollen. Sie können Angst riechen wie kleine Raubtiere und statt ihres Jagdinstinktes weckt das dann aber ihre tiefsten Urängste. Laupenta wurde nervös und ich zurückgeworfen in Erinnerungen an meine Kindheit. Zahnpflege spielt in meiner Lebensgeschichte eine große Bedeutung. Ich versicherte, dass das alles gar nicht wehtäte und ihr sowieso niemals bevorstünde, wenn sie nur weiter täglich so gut ihre Zähne pflegen würde.

“Aber du putzt dir doch total viel die Zähne!”, erwiderte sie.
“Ja. Jetzt. Als Kind hab ich sie nie geputzt.”

Der Schaum von Zahnpasta in den Mündern meiner Eltern war für mich als Kind ein ähnliches Phänomen wie ihr Kaffee. In meiner Welt tranken Männer starken schwarzen Kaffee und Frauen schwachen braunen. Kinder tranken keinen Kaffee. Und Zahnpastaschaum war im Mund von Männern ein Schaumberg und im Mund von Frauen ein weicher Schaumflutschi. Ich hatte selten eine Zahnbürste im Mund. Was ich stattdessen bekam war ein Betthupferl von Oma.
Oma wohnte unten in unserem Haus und wir hatten ein Geheimnis. Jeden Abend schlich ich mich aus dem Bett durch den Flur und leise die Treppen hinunter zu meiner Großmutter. Oma erwartete mich jedemal mit diebischer Freude und ich setzte mich zwischen sie und meinen Opa auf das Sofa, schaute mit ihnen die Tagesschau und ließ mich herzen und streicheln. Jeden Abend. Anschließend gingen meine Oma und ich immer in die Vorratskammer und dort bekam ich mein Betthupferl.

Nacht für Nacht lag ich mit ungeputzten Zähnen im Bett und naschte Süßkram.
In meiner Kindheit gab es keinen einzigen Routinebesuch beim Zahnarzt. Meine Besuche beim Zahnarzt waren stets akute Notfälle. Es wurde immer gebohrt und gefüllt und geweint. Diese Erfahrungen haben mich geprägt. Ich putze mir bis zu fünfmal täglich die Zähne und halte meine Tochter auch ständig dazu an. Sie hasst es. Aber ich will ihr diese Demütigung unbedingt ersparen. Und wer weiß, was aus ihr wird?! Als Mutterseelenalleinerzieher/in darf man mit Blick auf aktuelle Statistiken ja nur wenig hoffen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass vernünftiger Zahnersatz für zum Beispiel HARTZ-Empfänger schlicht nicht bezahlbar ist. Ja. Ich übertrage meine Angst auf mein Kind. Wieder so etwas, das einem jeder pädagogische Ratgeber verbietet. Das wirft doch mal wieder die Frage auf, ob der Staat nicht aufkommen müsste für all die Dinge, die seine Wissenschaftler so über die Erziehung austüfteln.

Zahnersatz ist also auch so eine unserer Forderungen, meine Damen und Herren Alleinerzieher. Zahnpflege muss für jeden bezahlbar sein. Ich bitte Euch, unsere Forderungen nicht aus den Augen zu verlieren und mir weiter alles sinnige und Unsinnige zu schreiben, das Euch einfällt. Der Alltag – wie zum Beispiel ein Besuch beim Zahnarzt – zeigt immer wieder Schwächen auf. Wo sind sie, die Schwächen? Was fehlt uns? Was wollen wir?

Repariert, was Euch kaputt macht” (Tommy Finke) VIDEO

Mir geht es jetzt wieder grausam gut. Mein Zahn tut nicht mehr weh, mein Kiefer und Nacken entspannen, es gibt noch andere Faktoren, aber vorallem: Weiß ich wieder etwas, das ich will. Wenn ich weiß, was ich will, bin ich glücklich.
Ich will erschwinglichen Zahnersatz für Jeden!

Und was wollt Ihr?

Und für alle, die kein Bonusheft bei ihrem Zahnarzt führen hier ( (einen bloß ) )ein Bonustrack aus uralten Zeiten.

 

Beitrag von Maike von Wegen / mutterseelenalleinerziehend.de

 

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