Die Glücklichen und die Unglücklichen

Mütter – Hartz IV – Grundeinkommen: Wenn ich Deutschland von außen betrachte, sehe ich auf der einen Seite den naiven  Wohlstand derer, die einfach Glück gehabt haben und auf der anderen Seite die wachsende Armut und Angst derer, die weniger Glück hatten.

Wer sind die „Glücklichen“? Wer sind die „Unglücklichen“? Hier nur ein Beispiel:

Die“Glücklichen“ haben sich vor der deutschen Wiedervereinigung (1990)  beruflich etabliert und hatten eine Wohnung oder sogar Eigentum und waren damit nicht den steigenden Wuchermieten und den sinkenden Gehältern ausgesetzt. Die Kinder dieser Generation hatten noch die Chance auf eine ausgeglichene Familie, in der die Mutter nicht versuchen musste zu arbeiten, in der Zeit zwischen Öffnung des Kindergartens am Morgen um acht Uhr und  Schließung am Mittag um zwölf Uhr. Ein Einkommen reichte in der Regel in einer Familie.

Die „Unglücklichen“ haben nach 1990, mit frisch abgeschlossenem Studium oder Ausbildung, Arbeit und eine Wohnung suchen müssen. Die Gehälter fielen ins bodenlose, die Mieten stiegen ins utopische. Wer es dennoch wagte eine Familie zu gründen, für den bestand das alltägliche Leben aus rechnen und organisieren. Für Mütter hieß es außerdem dem Druck der Gesellschaft ausgesetzt zu sein, der sie zu Rabenmüttern machte, weil sie versuchten das Familieneinkommen aufzubessern. Kindergartenplätze waren schwer zu bekommen. Tagesmütter waren steuerlich nicht abzusetzen.

Genau diese Mütter, die damals für ihre Beruftsätigkeit verurteilt wurden, werden heute im Scheidungsfall oder finanziellen, familiären Notlagen  ins Hartz IV –System Deutschlands gepresst, denn jede Mutter muss heute arbeiten. (DDR-Stil: Kind in die Krippe, Mütter zu Hause sind nicht wichtig)  Das besagt  das aktuelle Unterhaltsrecht. Die Arbeit, die man als Mutter leistet,  geleistet hat, auch wenn es 20 Jahre waren, zählt nicht.

Ist eine Frau aus familären Gründen immer nur zeitweise oder mit geringer Stundenzahl im Beruf gewesen und konnte kein gefestigtes Berufsleben ausfbauen, wird sie im Trennungsfall, da der arbeitende Partner ja nicht mehr unterhaltsverpflichtet ist, bei Arbeistsuche vom Job-Center drangsaliert, jede zumutbare Arbeit anzunehmen. (Das gilt für alle Mütter, deren Kinder über 3 Jhre alt sind.)  Diese Arbeit muss nicht an ihre Qualifikation oder bisherige berufliche Erfahrung angepasst sein. Das Hartz IV- System macht aus jedem Arbeitssuchenden einen Sklaven. Alles muss angenommen werden, alles ist vorgeschreiben. Man muss jederzeit zur Verfügung stehen, hat nur auf eine bestimmte Quadratmeterzahl Anrecht und darf nicht ohne Genehmigung verreisen.

Das ist nur ein Beispiel, wie schnell man zum Hartz IV-Opfer werden kann. Es gibt viele andere Beispiele. Arbeistlosigkeit durch Personalabbau, Firmenpleiten , unterbezahlte Arbeit.

Die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger sinkt so stetig, die der Aufstocker bleibt jedoch nahezu unverändert, denn jeder wird ja gezwungen jede Arbeit, auch unterbezahlt anzunehmen.  Im vergangenen Jahr waren es rund 1,33 Millionen Menschen, deren Arbeitseinkommen nicht für den Lebensunterhalt reicht oder die Hartz IV beziehen und etwas dazuverdienen.

Selbst ein full-time job reicht also, in nicht wenigen Fällen, nicht mehr zum leben. Was gewährleistet denn eigentlich noch die Existenz? Denn im Prinzip kann das, früher oder später, jeden treffen –auch die im Moment noch „Glücklichen“-  abhängig von Beruf und Wirtschaftlage und Familienstand.  Da kommt die Frage nach sozialer Gerechtigkeit und Menschenwürde auf, und mir kommt wieder das Grundeinkommen in den Sinn:

Das GRUNDEINKOMMEN ist eine gesetzlich festgelegte, gleiche finanzielle Zuwendung, für die keine Gegenleistung erbracht werden muss.

Da in unserer Gesellschaft  nur ein Teil aller Tätigkeiten als Arbeit definiert wird, die auch entlohnt wird, wie das obige Beispiel der geschiedenen Mütter – auch die meisten sozialen Tätigkeiten werden gering oder gar nicht entlohnt –  führt das zu einer Stigmatisierung, Herabsetzung und Ausbeutung bestimmter gesellschaftlicher Gruppierungen.
Auf der Basis des Grundeinkommens würde die Selbstständigkeit, das persönliche Engagement und die Flexibilität gefördert, und soziale Ausgrenzung, wie existenziell bedrohliche Armut verringert. Der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft wäre ein Ende gesetzt, da niemand mehr gezwungen wäre für Dumping-Löhne zu arbeiten. Der gigan-tische Verwaltungsapparat unseres Sozialsystems wäre reduziert und das Steuersystem vereinfacht. Gelder und Kapazitäten könnten also produktiver und gerechter eingesetzt werden, um hier nur einige Aspekte zu nennen.
Wäre das nicht ein großer Schritt in Richtung Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit!?
Diskussionen und Ansätze zur Einführung des Grundeinkommens gibt es innerhalb wie außerhalb Europas.
Über das Thema Grundeinkommen lohnt es sich zu diskutieren und zu informieren, in Hoffnung auf eine menschen-würdige und sozial gerechte Zukunft für alle.

Und die noch „Glücklichen“ könnten auf Facebook keine Zeitungsartikel posten, die von einer vierfachen Mutter berichten, der das eh schon sehr knapp bemessene HartzIV-Geld gekürzt wurde, und mit dem Kommentar: „Richtig so!“ versehen. Bei diesem Beispiel kam das Statement auch noch von einer kinderlosen Beamtin in Frührente.

Bea Badet

(Pädagogin und Künstlerin)

 

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