Wenn Liebe zum Verbrechen wird

Die Homophobie auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara hat ein gefährliches Ausmass erreicht: Zu diesem Schluss kommt Amnesty International in einem umfassenden Bericht zur Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) in den Ländern des südlichen Afrika. Er nimmt sowohl die Gesetzeslage wie auch deren Auswirkungen auf den Alltag von LGBTI unter die Lupe.

Der Bericht «Making Love a Crime. Criminalisation of same-sex conduct in sub-Saharan Africa» («Wenn Liebe zum Verbrechen wird: Die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Lebensformen im südlichen Afrika») dokumentiert in umfassender Weise die Gesetzeslage zur Homosexualität in der Region. Er belegt das Bestreben einer Reihe von Regierungen, homophobe Gesetze noch weiter zu verschärfen und unter immer drakonischere Strafen zu stellen, bis hin zur Todesstrafe. Anhand von Fallbeispielen aus Uganda, Kenia, Südafrika und Kamerun zeigt der Bericht auf, wie sich die Gesetze und die wachsende Homophobie auf den Alltag der Betroffenen auswirken.

Aktuell gelten «homosexuelle Handlungen» in 38 Ländern Afrikas als Straftat. Während aus einzelnen Ländern positive Signale zu verzeichnen sind, haben in den vergangenen fünf Jahren der Süd-Sudan und Burundi neue Gesetze zur Bestrafung gleichgeschlechtlicher Liebe eingeführt. In Uganda, Liberia und Nigeria sind Vorstösse zur Verschärfung bestehender Gesetze vor den Parlamenten hängig.

Solche Gesetze haben ihre ganz direkten, alltäglichen Auswirkungen auf das Leben von LGBTI. In Kamerun etwa werden regelmässig Frauen und Männer verhaftet, weil sie den Behörden als Lesben, Schwule oder Transgender gemeldet wurden. Oft werden sie daraufhin erniedrigenden medizinischen Untersuchungen unterzogen, mit dem Ziel, homosexuelle Handlungen nachzuweisen.

Aus den zahlreichen Zitaten von Aktivistinnen und Aktivisten, direkt Betroffenen sowie medizinischen und juristischen Fachpersonen wird ersichtlich, wie alltägliche Diskriminierung, Hassreden von Politikern und Religionsführern, verschärfte Gesetze und tätliche Attacken auf LGBTI zum Teufelskreis werden, der nicht selten tödlich endet. Dazu kommt der mangelnde politische Wille, Angriffe auf Homosexuelle strafrechtlich zu verfolgen. Zu den Erfahrungen der Betroffenen gehören auch Machtmissbrauch, Drohungen und Erpressungsversuche durch staatliche Beamte.

«Schon das Vorhandensein von Gesetzen, die gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellen – ob sie letztlich zur Anwendung kommen oder nicht -, sendet eine verheerende Botschaft an die Gesellschaft: nämlich, dass Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transmenschen Kriminelle sind, die keine Rechte für sich in Anspruch nehmen können. Solche Gesetze gehören abgeschafft, damit Menschenrechte für alle Afrikanerinnen und Afrikaner gleichermassen gelten», sagte Widney Brown, Leiterin des Bereichs Recht und Politik bei Amnesty International, anlässlich der Lancierung des Berichts in Johannesburg.

Oft wird Homosexualität von afrikanischen Politikern und Persönlichkeiten als «westliches Importprodukt» gebrandmarkt, das der afrikanischen Kultur fremd sei. In Wirklichkeit sind aber die meisten homophoben Gesetze ein direktes Erbe des Kolonialismus, und Homophobie in Afrika wird heute vor allem von der religiösen Rechten in westlichen Ländern, etwa der USA, aktiv unterstützt und gefördert.

Amnesty International fordert die afrikanischen Staaten dringend auf, Homophobie endlich als Menschenrechtsproblem anzuerkennen und gleiche Rechte für LGBTI als Teil des Kampfes für die Menschenrechte zu betrachten.

Anm. d. Redaktion: Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen will findet hier den vollständigen Bericht (Englisch).

Quelle: Amnesty International

 

 

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