Männer lieben Gewalt

Dafür könnte der Quotenmann sicher tausend Erklärungen und Entschuldigungen finden. Tut er aber nicht. Und er fühlt sich hilflos bei diesem Thema. Jedes Jahr rund um den 1. Mai fällt mir wieder auf, wie viel Spass Männer an Gewalt haben. Es müsste nicht die 1. Mai-Nachdemonstration sein, es könnten auch Fussballfans oder andere Massenveranstaltungen als Beispiel dienen, bei denen junge Männer sich zu sinnloser Gewalt vereinigen. Und es sind wirklich junge Männer, Frauen sind kaum bei solchen Exzessen zu finden.

Versteht mich nicht falsch: Frauen können bei starken Anliegen auch zu harten Mitteln greifen. Im arabischen Frühling scheuten sich engagierte Frauen nicht, der Gewalt ins Auge zu sehen und auch selbst manchmal anzuwenden. Nur, Männer können das ganz ohne Grund.

Bei den prügelnden Schülern aus Küsnacht, die in München einen Kaufmann halb tot schlugen, handelte es sich um junge Männer. Bei den wöchentlichen Handgreiflichkeiten vor den Clubs handelt es sich um junge Männer. Und natürlich handelt es sich bei den kleinen Prügeleien auf den Pausenplätzen der ganzen Schweiz um männliche Jugendliche. Natürlich werden jetzt einige Kommentatoren gleich einwerfen, dass es auch Girl-Gangs gibt, die prügeln, oder noch differenzierter, dass Frauen eher zu psychischer Gewalt, Intrigen und Blablabla neigen. Nur, das ist hier nicht das Thema. Das Thema ist hässliche, blutige, körperliche Gewalt. Und die wird und wurde schon immer von Männern ausgeübt. (Lesen Sie auch: «Der Tarnkappen-Macho»)

Nun, wahrscheinlich könnte ich jetzt medizinische, soziale und psychologische Studien lesen, die mir erklären, was es damit auf sich hat. Wahrscheinlich könnte ich mir auswählen, welche Entschuldigung ich dafür anführen könnte: soziales Umfeld, patriarchale Strukturen, psychosoziale Entwicklungsstufe, adoleszentes Testosteron, etc.

Ja, aber dann würde ich junge Männer auf die Stufe eines Opfers des Umfelds oder des eigenen Hormonhaushaltes degradieren. So einfach ist das nicht. Sonst würden nämlich alle jungen Männer randalieren und prügeln. Den Eltern die Verantwortung zuschieben geht auch nicht, da die Jungs meist stärker in der Schule und durch die Peergroup sozialisiert werden, als durch die paar Stunden zwischen Schule und Schlaf, die sie zuhause (meist vor dem PC) verbringen. Wer mir jetzt mit verrohenden Computerspielen kommt, macht sich einfach nur lächerlich. Vor 50, 100 oder 200 Jahren gabs keine PC-Games. Gewalt junger Männer gabs aber auch da schon.

Ich verstehe es nicht, aber offenbar ist Gewalt geil, wie der Erfolg des Kinofilms «Fight Club» zeigt. Männer müssen Männer sein. Was eine fliegende Faust ab und an beinhaltet. Dann der Mythos, dass Frauen auf Gewalt stehen. Ja, ich kann mir vorstellen, dass körperliche Gewalt eine archaische Anziehungskraft hat. Aber ehrlich, Männer, wer will schon eine Tussi, die bei Schwarzenegger-Filmen heiss wird? Das ist doch erbärmlich. (Lesen Sie auch: «Die Waffen der Würstchen»)

«Sie müssen halt mal Dampf ablassen, die Hörner abstossen blablabla», rechtfertigen einige Mütter und Väter das Fehlverhalten ihres männlichen Nachwuchses. Als ob das Irgendwas entschuldigen würde. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, warum ein Teil unserer jungen Männern so auf Gewalt abfährt. Und auch keine Lust, diese Gewalt dauernd zu entschuldigen und zu rationalisieren. Ich bin gemässigter Pazifist. Das heisst, ich kann durchaus Situationen anerkennen, in denen Gewalt notwendig ist, um grösseres Unrecht zu vermeiden. Nur, das Problem ist, dass «grösseres Unrecht» im Auge des Betrachters liegt. So kann ein schiefer Blick für einige schon Gewalt rechtfertigen. Und manchmal brauchts nicht mal das.

Es bleibt uns älteren Männern nur eins: Wir müssen Vorbilder sein. Wir müssen zeigen, dass wir uns ohne Gewalt durchsetzen können, dass wir Verantwortung übernehmen und vor Allem, dass Cleverness um Welten cooler ist als Gewalt. Und das wir ohne Gewalt trotzdem die begehrtesten Frauen kriegen. Vielleicht dringt ja das bei den jungen Böcken bis ins Gehirn vor. Sonst weiss ich auch nicht weiter … (Lesen Sie auch: «Flirt-Tipps für Männer»)

Beitrag von Réda Philippe El Arbi

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