Konflikte in der Mutter-Tochter-Beziehung

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Verständnis

Sie ist die „Mutter aller Beziehungen“ und ein guter Freund und Kollege erklärte mir vor vielen Jahren: „Wenn Du SIE nicht lieben kannst, kannst Du NIEMALS richtig lieben“.
Damals habe ich nicht verstanden, wovon er spricht. Heute, nachdem ich dieses Thema für mich bereinigt habe, verstehe ich auch diese Worte, denn ich habe nun zum ersten Mal im Leben das Gefühl, richtig rund zu laufen.

Und – es war ganz einfach! Ja, ihr gebeutelten Töchter, ich sehe Euch schon aufstöhnen und die Augen zur Decke drehen, aber es funktioniert!

Jeder kann diesen Konflikt auf die für ihn passende Weise lösen. Man (Frau) kann:
– das Gespräch mit der Mutter suchen
– ihr Briefe schreiben
– einen Coach besuchen (evtl. gemeinsam mit der Mutter)

………….. oder es mit diesem Weg versuchen:

Ich habe mir klargemacht, wie ihr Leben „vor mir“ verlaufen ist. Das Leben hat sie geformt, bevor sie Mutter wurde und als das dann eintraf, ist sie mit mir so umgegangen, wie es das Leben ihr beigebracht hatte.

Ich möchte das gerne anhand eines Beispieles einer Klientin erläutern. Nachdem ich nun bei jedem Telefonat zu meiner Mutter aus tiefsten Herzen sagen kann: „Ich hab Dich lieb“, möchte ich natürlich, dass meine Klientinnen diesen Zustand auch erreichen.

Der erste Satz, mit dem ich meine Klienten zum Nachdenken bringe, ist: „Deine Mutter ist die beste Mutter der Welt – in ihrem Rahmen.“ Je nachdem, wie tief die Kluft zwischen Mutter und Tochter ist, bestehen die Antworten darauf aus: „Meine Mutter aber nicht! Sie ist eine XYZ“! (die Schimpfwörter, die an dieser Stelle manchmal hochkommen, möchte ich der Leserin ersparen).

Zurück zu meiner Klientin, deren Geschichte ich hier stellvertretend für die anderen erzählen möchte: sie warf ihrer Mutter vor – wie so viele von uns das tun – dass sie sie niemals unterstützt hat. Damit meine ich nicht finanziell, sondern sie gab ihr nicht das Gefühl hinter ihr zu stehen. „Warum kann sie nicht EINMAL sagen: „Ich liebe Dich oder ich bin stolz auf Dich?“ Meine Klientin ist geschieden und schon lange alleinerziehende Mutter eines Sohnes. „Manchmal bin ich froh, dass ich keine Tochter habe und sich dieser Konflikt nicht fortsetzen kann!“ Trotz allem hat sie mit Ihrer Art, wie sie mit ihrer Mutter umging (abwertend, kalt) ihrem Sohn vorgelebt, wie man mit der Mutter kommuniziert und damit schon die Konflikte zwischen Mutter und Sohn vorprogrammiert. Jetzt, nachdem sie den Konflikt gelöst hat, kann sie sehen, dass auch der Sohn viel liebevoller mit seiner Großmutter umgeht.

Mit Hilfe des Enneagramms konnten wir herausfinden, dass ihre Mutter eine Sechs war. Das bedeutet, dass sie ein sehr großes Sicherheitsbedürfnis hatte. Als sie mir dann noch erzählte, dass die Mutter Jahrgang 1935 und aus Dresden war, habe ich sie gebeten, sich mal in die Kindheit der Mutter zu versetzen und ihr als Hausaufgabe aufgegeben, sich im Internet über die Zeit von 1935 – 1945 in Dresden zu informieren.

Zur nächsten Sitzung kam sie total geschockt: „Das war mir ja alles so gar nicht bewusst! Welch ein Horror! Jede Nacht Bombenalarm und danach, wenn man das im Bunker gut überstanden hatte, immer die Angst: Steht unser Haus noch? Haben die Freunde und Nachbarn überlebt?“

Sie verstand, dass dieses Trauma sich offensichtlich aus dem Leben ihrer Mutter niemals richtig verabschiedet hatte und das Gebot der Sicherheit immer an erste Stelle stand. Wenn meine Klientin also z.B. als Jugendliche ausgefallene Reisen machte und alle ihre Freunde ihre Abenteuerlust bewunderten, kamen von der Mutter immer Bedenken. Als sie sich von ihrem Mann scheiden ließ, vermisste sie den Rückhalt bei der Mutter wieder so sehr. Heute versteht sie, dass eine Scheidung aus Sicht der Mutter ein riesiges Sicherheitsrisiko bedeutet und ihre Mutter sie einfach bei dieser Entscheidung nicht unterstützen konnte.

Fazit: wenn wir verstehen lernen, wie die Kindheit unserer Mütter ablief und was sie geprägt hat, können wir alle ihre Handlungen und Aussprüche durch diesen „Filter“ schicken und was kommt am Ende raus? Verständnis!

Verstehen wird an der Stelle auftauchen, wo es vorher nur Vorwürfe gab. Wir sind keine bedürftigen Kinder (Töchter) mehr, können liebevoll unsere innersten Bedürfnisse wahrnehmen. Meine Klientin schaffte es sozusagen als „Nebenprodukt“ anschließend beim Sex ihre Bedürfnisse klar darzustellen – etwas, was ihr vorher nie gelungen war.

Wir sind heute alle erwachsene Frauen und Verständnis ist das, was wir uns am meisten von unseren Müttern gewünscht hätten. Bringen wir es doch jetzt für sie auf! Dazu braucht man eventuell etwas Großmut, aber das Ergebnis ist phantastisch………….denn die Aussöhnung mit sich selbst, der eigenen Geschichte und der Mutter ist möglich.

3 Kommentare zu Konflikte in der Mutter-Tochter-Beziehung

  1. Ich beschäftige mich zwar vorangig mit Mutter-Tochter-Konflikten, aber ja! Natürlich gilt für Väter dasselbe. Auch sie sind logischerweise Menschen, die das Leben zu dem gemacht hat, was sie schon waren, bevor sie Väter würden.
    Auch hier gilt der Grundsatz: er hat es so gut gemacht, wie er konnte (die Vaterrolle) und auch hier kann man mit Großmut verzeihen.

  2. Wie sieht es eigentlich mit der Vater-Tochter Beziehung aus? Gelten hier dieselben Grundsätze?

  3. Schön auf den Punkt gebracht, es ist wirklich so, zu keinem anderen Menschen haben wir ein so ambivalentes Verhältnis wie zu unserer Mutter. In vielen Fällen sehen wir lieber zu, wie unsere Beziehungen schief laufen, als dass wir diesen Topf aufmachen. MfG Mercutio C.

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