19 Jahre langer SGF- Einsatz für Albanien

 

1993 begann die herausfordernde und fruchtbare Zusammenarbeit des SGF mit der albanischen Frauenorganisation UAW. Zusammen haben sie einen Mittagstisch für arme Kinder und eine  Ausbildungsstätte für Jugendliche auf die Beine gestellt.

«Eine warme Mahlzeit pro Tag» – das war das ursprüngliche Ziel des Projekts «Mittagstisch», das der SGF 1995 zusammen mit der albanischen Frauenorganisation UAW (Useful to Albanian Women) in Burrel auf die Beine stellte. Die Kinder der ärmsten Familien in der albanischen Kleinstadt erhielten dort gratis ein Mal pro Tag eine ausgewogene Mahlzeit. Bis 2012 profitierten über 1000 Kinder davon, die Kosten betrugen pro Tag und Kopf 2.50 Franken. 2.50 Franken, die aus Spenden von SGF-Sektionen aus der ganzen Schweiz zusammenkamen und für die nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern von ganzem Herzen dankbar waren. «Schon als ich die Frauen der UAW zum ersten Mal getroffen habe, war ich beeindruckt von ihrer Herzlichkeit einerseits und von ihrem eisernen Willen anderseits», erinnert sich die ehemalige Zentralpräsidentin Renata Böhi-Reck. «Mütter, Grossmütter und Geschwister der Mittagstisch-Kinder kamen in grossen Scharen, wenn SGF-Besuch aus der Schweiz kam. Ihre Dankbarkeit, die sie auf albanisch und mit bewegenden Gesten ausdrückten, war berührend, fast beschämend», das wird auch Regula Ernst nie vergessen, die später als Mitglied der Albanien-Kommission unter anderem für das  Fundraising sorgte.

 

Hilfe aus der Schweiz ist gefragt

Zu Stande gekommen war die Zusammenarbeit zwischen den Frauenorganisationen ab 1993 durch die Initiative der albanischen Frauengruppe unter der Federführung von Sevim Arbana. Bei einer Veranstaltung eines Aids-­Prä­ventions­projektes der DEZA sprach sie eine Basler Krankenschwester an und bat sie um Kontakte zu Schweizer Frauenorganisationen. So gelange die Anfrage an die damalige Zentralpräsidentin Regula Ernst, die im Herbst 1993 nach Tirana reiste. Die UAW wurde darauf nach dem Muster des SGF aufgebaut.

Die UAW führte das Projekt «Mittagstisch in Burell» nach dem Startschuss 1995  selbständig mit finanzieller, ideeller und gelegentlicher organisatorischer Unterstützung aus dem SGF. Doch das war nicht alles – im Bewusstsein dessen, woran es in Albanien und insbesondere im abgelegenen Städtchen Burrel sonst noch mangelte, begannen sie, neue Angebote aufzubauen: Schritt für Schritt entstanden Aufgabenhilfen sowie Englisch- und Computerkurse in Zusammenarbeit mit Amerikanern des Peace Corps. Das Lehrpersonal für Theorie und praktische Ausbildung sowie eine Psychologin zur Unterstützung von Lernenden aus schwierigen Verhältnissen wurde aus Burrel selbst rekrutiert. 

2007 nahmen die UAW gemeinsam mit dem SGF das zweite grosse Projekt in Angriff, das 2008 eingeweiht wurde: Jugendlichen – oft ehemaligen MIttagstisch-Kindern – wird in der Ausbildungsstätte «Alternativa Profesionale Burrel» eine Anlehre zur Schneider/in und Koch/Köchin angeboten. Jeweils rund 15 Lehrlinge absolvieren einen halbjährigen Kurs, anschliessend werden sie an einen Betrieb vermittelt, so dass sie ihre praktische Ausbildung abschliessen und ihr Leben und oft auch das ihrer Familien finanzieren können.

 

Kochlehrlinge kochen für Mittagstisch

Die UAW erhielten 2008 von der Stadt Burell ein altes Gebäude, in dem sie fünf Jahre lang mietfrei bleiben konnten und das sie renovieren liessen – die Instandstellungskosten mussten, wie das in Albanien üblich ist, vom Benutzer selbst übernommen werden. Dafür sind nun die Ausbildungsstätten und der Mittagstisch ab 2009 am selben Ort untergebracht. Seither kochen die Kochlehrlinge das Essen für den Mittagstisch – eine bessere Synergie kann man sich nicht vorstellen. «Der Umzug in ein neues Gebäude war bitter nötig», erklären Renata Böhi-Reck und Regula Ernst. Sie erinnern sich gut, wie es bei ihrem ersten Besuch aussah: «Ich war schockiert über das Ausmass der Armut», sagt Renata Böhi-Reck. «Viele Familien lebten auf engstem Raum in einem einzigen Zimmer zusammen, ohne richtige Küche oder Toilette. Und auch im Gebäude des Mittagstischs war die Infrastruktur minimal. Es gab zum Beispiel nur eine einzige Toilette für die 60 Kinder.»

Inzwischen befinden sich Mittagstisch und Ausbildungsstätte in einem sauberen, zweckmässigen Gebäude, in dem die Frauen der UAW nach wie vor mit grossem Engagement ihr Ziel verfolgen, die Lebensqualität der Ärmsten zu verbessern. Dass der SGF die Albanien-Projekte Ende 2012 abgeschlossen und ganz in die Händer der UAW übergeben hat, bedauern Böhi-Reck und Ernst. «Es sind seit 1993 über eine Million Franken an Spenden zusammengekommen. Das ist eine beeindruckende Summe, die grossen Dank und Hochachtung an die vielen Spenderinnen verdient. Aber es muss irgendwie weitergehen – auch wenn der SGF das Projekt übergeben hat, kann auf das Spendenkonto nach wie vor einbezahlt werden.»

 

aus: «Ideelle» 3/2013

 Text: Nicole Maron, Chefredaktorin «Ideelle»

Fotos: Regula Ernst, ehemalige Zentralpräsidentin SGF

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