Seismischer Lärm gefährdet Wale und Delphine

 

 

Im Mittelmeer herrscht ein Run auf vermutete Öl- und Gasvorkommen. Bereits bei der Suche nach dem schwarzen Gold erzeugen Druckluftkanonen ohrenbetäubenden Lärm unter Wasser. Dieser raubt Meeressäugern und Fischen die Orientierung, vertreibt sie aus angestammten Lebensräumen und kann zu deren Tod führen. OceanCare fordert den Schutz sensibler Meeresgebiete und den Einsatz leiser Technologien.

Am 20. April 2013 jährt sich die Deepwater-Horizon-Katastrophe zum dritten Mal. Die Schweizer Meeresschutzorganisation OceanCare ruft anlässlich des Jahrestags die Ölindustrie und Politik zum verantwortungsvollen Handeln beim Erschliessen der Ölressourcen auf. „Der Verdacht, dass der verantwortungslose Run auf die Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer unter dem Druck der Eurokrise vorangetrieben wird, ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. Lüber fürchtet um den Fortbestand bedrohter Wal- und Delphinarten im Mittelmeer. Denn die Öl- und Gasförderung erzeugt Schallwellen, die so laut sind wie Düsenjets oder Weltraumraketen. Bereits die Suche nach neuen Vorkommen mittels seismischen Tests bedroht die Meeressäuger akut mit Unterwasserlärm: Was für die Menschen die Augen sind, sind für die Wale und Delphine das Gehör. Lärmverschmutzung macht die Tiere, die sich unter Wasser akustisch orientieren, orientierungslos. Die Folgen sind innere Verletzungen – immer mehr Tiere stranden und sterben.

EU in der Verantwortung

Mit dem Ziel, die Meeressäuger vor dem tödlichen Unterwasserlärm zu schützen, stellt OceanCare klare Forderungen an die Vertreter der EU: Sensible Lebensräume der Meeresssäuger im Mittelmeer sollen für seismische Tests sowie für die Öl- und Gasförderung tabu sein. Des Weiteren verlangt die Meeresschutzorganisation das Mittelmeer vor Tiefseebohrungen zu verschonen und in der Seismik ausschliesslich lärmschonende Technologien zu erlauben.

Meeresschutzzonen

19 Gebiete im Mittelmeer hat ACCOBAMS, das Abkommen zum Schutz der Waltiere im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, seinen Mitgliedern als Meeresschutzgebiete empfohlen. Darunter den Hellenischen Graben, der südwestlich des Peloponnes bis nach Kreta verläuft: mit bis zu 5‘300 Metern Tiefe einer der wichtigsten Lebensräume für bedrohte Wal- und Delphinarten. Als solcher ist er unter anderem entscheidend für den Fortbestand des Pottwals, der als Tieftaucher auf Unterwassercanyons angewiesen ist.

Lärmschonende Technologie

Das System ‚Marine Vibroseis‘ kommt im Gegensatz zu Druckluftkanonen, sogenannten Airguns, mit geringerem Schalldruck aus, vermeidet Emissionen in nicht gebrauchten Frequenzen und nutzt keinen plötzlichen und gefährlichen Impulsanstieg. „Experten sind sich einig“, sagt Dr. Sylvia Frey, wissenschaftliche Leiterin bei OceanCare, „dass ‚Marine Vibroseis‘ eine vielversprechende Alternativtechnologie zu den Airguns sind. Wir fordern die Entscheidungsträger deshalb auf, der Ölindustrie die Nutzung dieser moderneren Technologie aufzuerlegen, um schwere Schäden für Tier- und Umwelt abzuwenden.“

Durch die Explosion auf der BP-Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko flossen rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Damals wollte die EU die gefährliche Praxis der Tiefseebohrungen überdenken. Heute, drei Jahre später, scheint diese Absicht vergessen – obwohl seither sieben weitere Öl-Katastrophen die Meere erschüttert haben.


Lärm seismischer Tests bedroht Unterwasserwelt

Seismische Untersuchungen des Meeresbodens erzeugen unvorstellbar laute Schallwellen, die die Meerestiere
akut gefährden. Airguns generieren in Intervallen von 6 bis 20 Sekunden Luftdruck-Explosionen mit bis zu 260 dB.
Der Schalldruck ist mehr als 10‘000 Mal so gross wie der eines Presslufthammers in einem Meter Abstand.
Die enthaltene Schallintensität ist sogar über 100 Millionen Mal grösser.

 

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