Genug ist genug

Bild: Headshot Yawo Douvon_credit CARE

Genug ist genug – von Yawo Douvon, CARE-Länderdirektor in der Demokratischen Republik Kongo

In dieser Woche trafen sich die G8-Außenminister in London, um ein Abkommen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt in Konflikten zu unterzeichnen. Mit William Hague, dem britischen Außenminister, besuchte ich vor zwei Wochen das Flüchtlingslager Lac Vert im Osten des Kongo. Zusammen mit der Schauspielerin Angelina Jolie traf er dort Überlebende sexualisierter Gewalt.

Ich gebe ehrlich zu: Ich habe in den letzten Jahren viele prominente Besucher im Kongo kommen und gehen gesehen. Es ist schwer, nicht zynisch zu werden, denn sexualisierte Gewalt ist hier so allgegenwärtig und es scheint manchmal, als gäbe es keinen Ausweg. Viele standen dem Besuch des britischen Außenministers und der Hollywood-Schönheit also skeptisch gegenüber. Was kann man bei einem solchen kurzen Besuch wirklich erfahren und lernen? Ich wusste auch nicht, was mich erwarten würde. Aber als ich die beiden durch das Lager führte, merkte ich, dass der Kampf gegen dieses Verbrechen für Hague und Jolie wirklich ein persönliches, dringliches Anliegen ist. Und das nicht nur, wenn die Kameras laufen.

Bild: Crown-MOD-LA_Iggy-Roberts

In Lac Vert trafen die beiden Frauen, die von ihren unsagbar schmerzvollen und entwürdigenden Erfahrungen sprachen. Angelina Jolie und William Hague konnten sehen, wie Überlebende sexualisierter Gewalt mit Unterkünften, Wasser, Nahrung und Medizin versorgt werden. Angelina Jolie zeigte sich besonders beeindruckt, welchen Lebensmut Frauen durch kleine Bargeldbeträge von CARE schöpfen, mit denen sie einen Gemüsestand errichten oder Seife herstellen können. Weltweit – aber nirgendwo so sehr wie im Kongo – leiden hunderttausende Frauen und Männer unter sexualisierter Gewalt in Konflikten. William Hague hat sich zum Ziel gesetzt, ein internationales Abkommen zur Strafverfolgung sexualisierter Gewalt zu schaffen. Sie soll nicht länger als unvermeidbare Folge von Krieg hingenommen werden. Hague hat ein Expertenteam damit beauftragt, Beweise zu sammeln und Fälle zu verfolgen. Das ist ein erster wichtiger Schritt auf einer langen, mühsamen Reise.

Denn falsch wäre es, sich nur auf die Täter zu konzentrieren. CARE und andere Hilfsorganisationen haben deshalb die G8-Außenminister aufgefordert, die diplomatische Initiative mit langfristiger, planbarer Unterstützung für die konkrete Arbeit vor Ort zu verbinden. Wir konnten Jolie und Hague bei ihrem Besuch in Lac Vert zeigen, wie wichtig es ist, dass die Opfer sexualisierter Gewalt auf allen Ebenen unterstützt werden: Sie benötigen medizinische, psychologische und finanzielle Hilfe. Die Überlebenden müssen angehört werden und ihre Rechte und Möglichkeiten kennen. Das braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen der Hilfsorganisationen. Mein Team ist jeden Tag mit zerstörten Leben, Hoffnungslosigkeit und Leid konfrontiert. Sie identifizieren Fälle von sexualisierter Gewalt, finden heraus, was die Überlebenden am dringendsten benötigen und begleiten sie bei den ersten Schritten zurück ins Leben. Genau diese Hilfe, die unmittelbare Unterstützung der betroffenen Frauen, ist aber chronisch unterfinanziert.

Ich hoffe also, dass die G8-Staaten die heute verabschiedete Resolution auch umsetzen. Der Test wird sein, was sich heute in einem Jahr vor Ort im Osten des Kongo verändert hat. Jede Frau und jeder Mann, die lebensnotwendige Unterstützung benötigen, sollten diese auch bekommen. Bisher fehlten dazu der politische Wille und die finanziellen Mittel. Ich hoffe, dass das jetzige Treffen der Außenminister und der G8-Gipfel im Juni in Nordirland einen Wendepunkt markieren werden. Schließlich macht es mir besonders Mut, dass ein international mächtiger Politiker – und dann auch noch ein Mann! – sich für dieses oft tabuisierte, vergessene Thema einsetzt. In den Dörfern, in denen CARE im Kongo arbeitet, sehe ich große Fortschritte, wenn nicht nur Frauen, sondern auch Männer soziale Normen und Rollenbilder in Frage stellen und sich gegen sexualisierte Gewalt einsetzen. Das ist international nicht anders. Wir Brüder, Väter, Ehemänner müssen Seite an Seite mit unseren Frauen dafür kämpfen, dass der Ausspruch von William Hague für alle Menschen Wirklichkeit wird, die unter sexualisierter Gewalt leiden: „Genug ist genug.“

 

 

1 Kommentar zu Genug ist genug

  1. Ich hoffe von ganzen Herzen,dass diese Initiative Erfolg hat. Es ist wirklich genug geredet, aber wenig auf politischer Ebene gehandelt worden. Gerade die Politiker müssen ganz einfach ihren Einfluß verstärken und wo nötig auch Druck ausüben.

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