Ich will mein Kind zurück

Es ist nun schon eine Weile aus meinem vordersten Bewusstsein entkommen und hat sich weit nach hinten gedrückt. Die anderthalb Jahre in denen ich um das Sorgerecht für meine Tochter kämpfen musste. Verschwinden aus unseren Bewusstsein wird es in Wahrheit nie. Es wird sich immer wieder äussern. In sog. “altersungemäßen Verlustängsten”, in den immer wiederkehrenden Phasen der Einschlafbeschwerden und in vielen Fragen des Vertrauens. Ich kann meiner Tochter sehr oft die Unsicherheit ansehen. Sie zweifelt manchmal, ob sie mir wirklich trauen kann. Schließlich habe ich sie im Stich gelassen.

Auch wenn das tausendmal nicht wahr ist, hat sie es einfach so erlebt. Das sind die vordergründigen dicken Schwierig-keiten, die uns dieses Trauma beschert hat. Hinzu kommen unzählige andere. Mein eigenes Vertrauen in meine Familie und diese ganze Welt, meine eigenen Verlustängste, die Einsamkeit, der Verlust all meiner Verwandten. Es ist zum Glück nicht mehr akut, aber nunmehr leiden wir seit vier Jahren an den Folgen. Es ist soviel schief gegangen und ich war so wehrlos gegen den Staatsapparat und abhängig von so vielen befindlichen Amtsträgern. Nie in meinem Leben war ich so nackt und so angreifbar wie in der Zeit des Prozesses, die meinen weiteren Lebensweg um Jahre zurückgeworfen hat.

Ich möchte mich darum heute noch einmal daran erinnern, weil einige Leserinnen das Thema wieder zur Sprache gebracht haben und weil mir wieder bewusst geworden ist, wie problematisch diese Fälle sind. Und sie sind immens wichtig. Darum schreibe ich nun einen Brief an Dich, liebe Mutter ohne Sorgerecht da draußen. Und ich schenke Dir ein Lied.

Du bist richtig. Du bist verdammt richtig, auch wenn Du es langsam vergisst. Sie versuchen mit aller Kraft, Dich kleinzumachen. Du sollst so wehrlos werden, wie sie Dich als wertlos empfinden. Du sollst einfach gar nicht mehr funktionieren, damit sie Dir endlich beweisen können, was Du bisher vielleicht noch nicht akzeptiert hast. Aber es ist ihr Ziel, dass Du es akzeptieren sollst: Dass Du wertlos bist. Dass Du Dich gar nicht weiter bemühen brauchst. Dass Du ruhig verschimmeln sollst in Deiner Einsamkeit, weil Du es verdient hast, so zu leben. Es ist selten die Liebe, die einen Sorgerechtsstreit beginnt. Es ist immer nur die Macht, die zu derlei Taten verleitet. Es geht nicht darum , wer das Kind liebt in einem Sorgerechtsstreit. Es geht darum, wer die Macht hat, über das Kind zu bestimmen. Und vielleicht ist Dir schon dieser fahle Beigeschmack zu eklig, um Dich aufzulehnen gegen diesen Angriff. Weil Du gar nicht dafür kämpfen willst, über Dein Kind zu bestimmen, sondern weil Du es einfach nur liebst und weil es Dich liebt und weil ihr doch einfach zusammengehört, weil es schon immer so war und weil ihr es einfach so wollt. Ihr wollt es nur aus Liebe. Aus einem natürlichen Bedürfnis heraus und weil es einfach so ist. Weil es so einfach richtig ist.

Bestimmt vergisst Du langsam, dass es richtig ist. Vielleicht glaubst Du ihnen schon so ein bisschen. Es ist Dir ja auch schon einmal aufgefallen, dass Du Deinem Kind gegenüber oft ein schlechtes Gewissen hattest. Vielleicht hast Du es wirklich falsch behandelt. Solange Du dieses Gewissen hast, kannst Du davon ausgehen ein echter und “normaler” Eltern zu sein. Es heißt zwar “schlechtes” Gewissen, aber es ist tatsächlich etwas gutes. Dein schlechtes Gewissen ist der Beweis dafür, dass Du Empathie besitzt, dass Du Dein Handeln reflektierst, dass Du Werte hast, die Du ernst nimmst. Du bist richtig.

Du bist sowieso richtig. So wie jeder erst einmal richtig ist auf seine Weise. Es gibt keine Menschenschablonen. Wir sind alle richtig. Auch wenn wir sehr oft falsches tun. Du solltest immer an jeder Deiner Taten zweifeln, aber niemals an Dir selbst. DAS ist es, was sie wollen. Dass Du Dich selbst nicht mehr leiden kannst, dass Du all ihre Prophezeiungen erfüllst und immer wieder scheiterst. Sie wollen dem Kind oft gar nicht helfen. Sie wollen nur ihre eigene Gier befriedigen. Sie wollen sich auf Deinem Rücken groß und richtig fühlen.

Dein Kind liebt Dich. Und wenn Du wirklich etwas getan hast, dieser Liebe zu schaden (und nur das sollte Dich interessieren. Nur das ist wichtig. Die Meinungen der Anderen zählen dabei nicht), dann ist es nie zu spät, Dein Kind um Verzeihung zu bitten und es besser zu tun. Und das kannst Du. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht gleich, aber wenn Du es willst, dann wird es so geschehen. Und wenn Du Dir sicher bist, dass Du dieser Liebe nie geschadet hast, dann erst Recht. Besinne Dich auf das einzige, was von Interesse ist in diesem Fall:

Die Liebe zwischen Dir und Deinem Kind.

Schrei nie an gegen ihren Sturm, spiel niemals mit in diesem Krieg und vergiss diesen Nebenschauplatz der Machtaufteilungen. Sei bei Deinem Kind. Es leidet gerade unter einem inneren Kriegszustand. Kümmere Dich nur darum und interessiere Dich nicht für die Klägerseite. Sie haben Deine Aufmerksamkeit wirklich nicht verdient. Dein Kind verdient sie. Wenn Du schreien oder weinen musst, dann tu es laut. Besuche eine Freundin oder ruf einen Freund an, geh zu einem Krisendienst, heule es in die Ohren eines Seelsorgers der deutschen Telefonhilfe, schreibe einen Blog im Internet, wende Dich an eine Zeitung. Schließ Dich nicht zu Hause ein und weine es in Deine Kissen. Du bist richtig und Du hast das Recht darauf, getröstet und gehört zu werden.

Grundgesetz, Artikel 6, Absatz 4:  

Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Du darfst niemals in das Spiel einsteigen. Du willst nicht um Macht kämpfen und das sollst Du auch nicht. Du kämpfst um Dein Recht, um die Liebe und darum, dass jemand Dich tröstet und Dir zur Seite steht. Wehr Dich in Liebe. Und wenn Du willst, schreib mir gerne eine mail. Es bleibt alles unter uns und ich verspreche Dir:
Ich halte Dich garantiert nicht für falsch.

Und hier Dein Lied. “Gut, alles” heißt es. Und Du findest es auf dieser Seite.

Ein Beitrag von Maike von Wegen / Mutterseelenallein.de

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Dateien hochladen

Du kannst Bilder oder Dateien in deinen Kommentar einbetten, indem du diese unten auswählst. Wenn du eine Datei hochgeladen hast wird ein Link an deinen Kommentar angefügt. Du kannst so viele Bilder oder Dateien hinzufügen wie du willst und alle werden deinem Kommentar hinzugefügt.


Bitte trage das Ergebnis der Rechenaufgabe in das leere Feld ein..

Klicke auf das Bild, um Dir die Frage in Englisch anzuhören.