Kinder nähen für deutschen Textildiscounter

RTL-„Punkt 12“-Reporter tarnt sich als Textilhändler und deckt unmenschliche Arbeitsbedingungen in Fabriken in Bangladesch auf. Morddrohungen nach Ende der Recherchen!  Die Fabriken produzieren für bekannte deutsche Modeketten – doch die Gebäude sind völlig marode. Teilweise werden die Arbeiter eingesperrt und sogar Kinder sitzen an den Nähmaschinen.

Für einen Monatslohn von umgerechnet 30 bis 50 Euro pro Arbeiter lassen deutsche Unternehmen Textilien in Bangladesch produzieren.

Getarnt als Textileinkäufer besichtigt RTL-Punkt 12-Reporter Alexander Römer mit versteckter Kamera Fabriken in der Nähe der Hauptstadt Dhaka. Für seine Recherchen hatte er zunächst eine Scheinfirma gegründet, um dann über Mittels-männer Zugang zu den Produktionsstätten zu erhalten, die für den deutschen Markt produzieren. In einer Fabrik arbeiten Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren.

RTL-Reporter Alexander Römer: „Im ersten Moment war ich sprachlos, als ich all die Kinder dort arbeiteten sah. Ich habe selbst einen Sohn in dem Alter. Da ich mich als Textilgroßhändler ausgab, durfte ich mir natürlich nichts anmerken lassen. Als mir dann auch noch der Fabrikbesitzer ganz offen sagte, dass man für den deutschen Textil-discounter KiK arbeite, war ich nicht mehr sprachlos – ich war ganz ehrlich entsetzt.“ Sogar die späteren Preisschilder für den deutschen Markt hatte KiK schon nach Bangladesch liefern lassen. Demnach sollten beispielsweise Hosen für das 20fache der Produktionskosten vor Ort in Deutschland verkauft werden.

In einer schriftlichen Stellungnahme verweist KiK auf ein „illegales Subcontracting“ – ein Hauptlieferant vor Ort habe mit illegalen Methoden gearbeitet. Den Lieferanten erwarte jetzt eine Konventionalstrafe von 5.000 US-Dollar und man werde die Geschäftsbeziehungen sofort beenden. Vor Ort schlugen die Recherchen des RTL-Reporters so hohe Wellen, dass Mittelsmänner sogar mit dem Tod bedroht wurden. RTL hat dazu das Auswärtige Amt eingeschaltet.

In den großen Textilfabriken in Bangladesch arbeiten bis zu 15.000 Menschen, dabei kommt es in den schlecht gesicherten Gebäuden immer wieder zu folgenschweren Bränden. Über 700 Arbeiter kamen in den vergangenen Jahren in den Flammen ums Leben, erst im November 2012 starben bei einem verheerenden Brand 112 Menschen. Alexander Römer traf den 13-jährigen Lion und die 21-jährige Nilufe, die bei der Feuerkatastrophe ihre Eltern, ihren Bruder und ihre Schwägerin verloren – die komplette Familie. In der Fabrik hatte auch das deutsche Unternehmen C&A Kleidung produzieren lassen. In der Zentrale sei man sehr betroffen gewesen, so C&A-Sprecher Thorsten Rolfes. Jetzt arbeite man an Lösungen, könne dies allerdings nicht im Alleingang tun. Rolfes: „In letzter Konsequenz kostet Brandschutz Geld. Wir sind bereit, dieses Geld zu investieren – mit anderen zusammen.“

Das RTL Mittagsjournal „Punkt 12“ zeigt den ersten Teil der Reportage am Mittwoch, 03. April und den zweiten Teil am Donnerstag, 04. April.

Quelle: RTL Kommunikation

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