Die Spätzünderinnen

Am 27. Januar trafen sich Wanda Schmid und Ruth Loosli auf der Bühne des Theaters Rigiblick in Zürich. Zwei Spätzünderinnen, wie sie sich selbst bezeichnen, gaben Einblick in ihr Schaffen. Den beiden Autorinnen stand die Musikerin Margrit Schenker zur Seite. Sie entlockte ihrem Akkordeon ungewöhnliche Töne und begeisterte damit das Publikum.

Nach Ruth Loosli lassen sich 25 Jahre Frauenleben in wenig Worten aufwischen: drei Kinder und eine schwierige Scheidung. Und Wanda Schmid beschreibt es in ihrem Gedicht:

Das missachtete Universum“ 

Sie verliess ihn.

Er hatte seine Kaffeetasse auf den Gedichtband von Wislawa Szymborska gestellt. Unter den Hundert Freuden der hässliche, braune Ring

Sie verliess ihn.

Das gibt den Blick frei auf die Zeit danach. Mit 48 hat Wanda Schmid ihr erstes Buch Wer zuerst das Schweigen bricht publiziert, Ruth Loosli mit 50 „Aber die Häuser stehen noch. Gedichte schrieben sie beide.

„Schreiben, sich zu Ader lassen“ und „Ich lehne an Wörter“ (Wanda Schmid).

„Hohe Wörter im Mund einspeicheln, bis sie durchsichtig gallertartig sich verwandeln“ (Ruth Loosli).

Wanda Schmids Erkenntnis nach zwei Nachmittagen unbarmherziger Lektoratskritik: Von vorne anfangen! Nichts von Herzschmerz, Sonnenuntergang und Veilchenduft. Schreiben ist eine ernsthafte Sache, das Manuskript zu überarbeiten, bedeutet Knochenarbeit, braucht viel Geduld und Zeit.

Neben Gedichten entstanden auch Theaterstücke und Erzählungen. Beide Autorinnen haben eine Vorliebe für schräge Figuren, die etwas Skurriles an sich haben, sie wollen keine Heiligenvita schreiben.

Dass man als Autorin gefördert und mit Auszeichnungen bedacht wird, erachten sie als wichtige Unterstützung auf dem Weg an die Öffentlichkeit. Nachdem man lange allein war, ist es eine Bestätigung, dass man nicht so neben den Schuhen steht.

Und wie beschreiben die Spätzünderinnen andere, spätere Frauenleben?

Frauen tauschen Pralinen und Geheimnisse  um Leben und Liebe und Tod

Und um das Verhältnis von Puderzucker und Kirsch.

(„Frauen tauschen Pralinen“ ausAber die Häuser stehen noch“ von Ruth Loosli)

Wie jetzt die Nacht nachtet – vielfältig dunkelt. Grautöne nördlich von Schlaf und eine kahl geschorene Angst und eine Zunge aus Rohseide und ein leerer Schuh. (…)

(aus „Apfelblütenstecher“ von Wanda Schmid)

Beitrag von Elisabeth Hostettler

Bibliografie Wanda Schmid:

„Wer zuerst das Schweigen bricht“ (1995),

„Paare und andere Einsame“ (2000),

„Friedhofsgeflüster“ (2000),

„Sonnenfinten“ (2003),

„Apfelblütenstecher“ (2008),

„Löcher, Löcher“ (2011).

 

Bibliografie Ruth Loosli:

„Aber die Häuser stehen noch“ (2009),

„WILA“ (2011)

 

 

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