Haben Frauen Glück in der Schweiz zu leben

Gleichberechtigung bedeutet auch, Frauen zur finanziellen Unabhängigkeit animieren. Warum aber ist dieses Pushen überhaupt noch notwendig, und: Hat es die ökonomische Vorrangstellung des Mannes immer schon gegeben?

Am 3. März 2013 ist die Vorlage über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gescheitert. Obwohl das Volk mehrheitlich dafür gestimmt hat, brachte das Ständemehr den Familienartikel zu Fall. Eine seltene Angelegenheit und einfach schade – unseres Erachtens wäre dies ein grosser Schritt in die richtige Richtung gewesen. Denn die „Spielregeln“ haben sich in den vergangenen 50 Jahren sowohl für Frauen als auch Männer wesentlich verändert.

Frauen und Männer mögen hierzulande gleich gut ausgebildet sein – beginnend mit dem Einstieg in das Berufsleben klaffen die Einkommensunterschiede jedoch immer weiter auseinander. Vier grosse Fallen lauern auf die Frauen: Die Teilzeit- und Minijobfalle, die Tendenz, vor allem weiblich besetzte und schlecht bezahlte Berufstraditionen wie Friseurin, Verkäuferin oder Kunstgeschichteabsolventin fortzusetzen (die sogenannte Spass-Falle) oder in die Alien-Falle zu tappen. Letztere trifft jene Frauen, die es trotz familiärer Verpflichtungen geschafft haben, in einem Unternehmen Karriere zu machen – und immer noch weniger als ihre ebenbürtigen Kollegen verdienen.

Männer sind nicht „besser“, Frauen auch nicht. Wir sind der Überzeugung, dass beide Geschlechter gleichberechtigt sind in ihrem Dasein. Leider existiert aktuell kein Gleichgewicht, die Machtverhältnisse sind alles andere als ausgeglichen. Mädchen werden mancherorts schon bei der Geburt als Übel angesehen, wie wir es etwa durch die aktuellen Ereignisse in Indien deutlich vor Augen geführt bekommen. Haben wir Frauen Glück, in der Schweiz zu leben? Und woher rührt die ökonomische Vorrangstellung des Mannes überhaupt?

Die Saharasia-These

Wir möchten zum Thema Gleichberechtigung ein paar Standpunkte vorstellen: Laut des US-amerikanischen Geografen James De Meo war die dominante Stellung des Mannes zu Urzeiten noch nicht so ausgeprägt. Seine Saharasia-These besagt, dass die männliche Vorherrschaft erst um 4000 v. Chr. mit dem Entstehen der Wüstenregionen im nordafrikanischen Raum ihren Beginn fand. Gegenden wie Ozeanien oder die Neue Welt, die in grosser Entfernung vom untersuchten Wüstengürtel liegen, entwickelten meistens vergleichsweise friedfertige und partnerschaftliche Kulturtypen. Dazwischen liegen Abschnitte, in denen sich beide Kulturtypen überschneiden – dazu kann man am ehesten auch die Schweiz zählen. Von der Wissenschaft ist DeMeos Theorie allerdings nicht anerkannt.

Einig sind sich sowohl Soziologie, Politwissenschaften und verschiedene Gesellschaftstheorien, dass der Begriff Patriarchat Systeme umschreibt, die von Männern und Vätern geprägt sind. „In der ältesten bekannten griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, der Septuaginta, wird patriarches in der Bedeutung von ‚Erzväter’ verwendet“, schreibt Wikipedia. „Dementsprechend wurde der Begriff ‚Patriarch’ im Mittelalter und in der frühen Neuzeit als Synonym für die Stammväter der Israeliten vor der Sintflut und nach ihr bis zum Auszug der Israeliten aus Ägypten verwendet“.

In der Familiensoziologie versteht man unter dem Begriff Patriarchat, dass ein Mann die Führungsrolle im verwandtschaftlichen Verband über hat, also jemand ist, der als „Herr des Hauses“ die rechtliche und ökonomische Macht über „seine“ Familienmitglieder hat. Max Weber glaubte gar eine „natürliche“ Geschlechterdifferenz zu erkennen, die der Soziologe so beschrieb: „Bei der Hausautorität sind uralte naturgewachsene Situationen die Quelle des auf Pietät ruhenden Autoritätsglaubens. Für alle Hausunterworfenen das spezifisch enge, persönliche, dauernde Zusammenleben im Hause mit seiner inneren und äusseren Schicksalgemeinschaft. Für das haushörige Weib die normale Ueberlegenheit der physischen und geistigen Spannkraft des Mannes.“

Mehr Lohn für Frauen kann daheim für Unzufriedenheit sorgen

Studien haben gezeigt, dass es zugunsten des Hausfriedens ratsam zu sein scheint, dieses Schema weiter zu verfolgen. Ein kürzlich online erschienener Tagi-Artikel erwähnt die Ergebnisse einer Forschungsarbeit von Marianne Bertrand, Professorin für Wirtschaft an der Universität von Chicago. Betrand untersuchte unter anderem, ob der Verdienst des Mannes den Lohn der Frau bestimmen kann: „Was viele Untersuchungen im Datingmarkt bereits gezeigt haben, erweist sich als wahr: Das Einkommen des Mannes ist immer ein Asset. Sobald aber eine Frau mehr verdient als ein Mann, ist ihr Lohn kein Verdienst mehr, sondern Bedrohung.“ Es zeigt sich, dass das Scheidungsrisiko steigt, sobald die Ehefrau mehr verdient als ihr Gatte. Oder wie es die Autorin des Tagi-Artikels ausdrückt: „Eine Lohnerhöhung kann die Frau teuer zu stehen kommen.“

Müssen Männer erst Kinder auf die Welt bringen können, damit es eine echte Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft gibt? Mehrheitlich sind es Frauen, die auf Job und Karriere verzichten und damit zwar den Haussegen stabilisieren, aber auch in Abhängigkeit von ihrem Partner geraten.

Es ist eine verzwickte Lage, in der wir uns befinden. Irgendwie scheint es keine augenscheinliche Lösung zu geben, die für alle Beteiligten richtig funktioniert. Auch in der Schweiz leben wir immer noch in einem latent patriarchalen System.

Fakt ist: Frauen müssen mehr für ihre Unabhängigkeit tun, und in unserer Gesellschaft erreichen wir diese in der Regel mittels finanzieller Autonomie. Geld macht nicht glücklich, das mag stimmen, aber es hilft schon sehr, nicht lange überlegen zu müssen, wenn es um die Bezahlung der alltäglichen Rechnungen geht.

 

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