Neue Perspektive für kriegstraumatisierte Frauen

Keine karitative HilfeMonika Hauser und ihre Mitstreiterinnen leisten Hilfe für kriegstraumatisierte Frauen und Mädchen. Sie wollen weltweit patriarchale Strukturen verändern und Frauen eine neue Perspektive geben.

Dass sie den NRW-Staatspreis 2012 erhalten hat, hat in den Schweizer Medien keine hohen Wellen geschlagen – obwohl Monika Hausers Wurzeln in der Schweiz liegen. Als Tochter von Südtiroler Eltern hat sie zwar einen italienischen Pass, aufgewachsen ist sie jedoch in St. Gallen. Ihre medizinische Ausbildung und die spätere Arbeit als Frauenärztin hat sie an verschiedenen Stationen im Ausland absolviert, bis sie sich in Köln niedergelassen hat. Dort hat ihre Geschichte eigentlich erst richtig begonnen. Anfang 1993 gründete sie mit deutschen und bosnischen Mitstreiterinnen das Frauentherapiezentrum «Medica Zenica» in Zentral-Bosnien, mitten im Kriegsgebiet – der Anfang der mittlerweile 20-jährigen Geschichte der Institution «medica mondiale e.V.», die Hilfe für kriegstraumatisierte Frauen und Mädchen leistet. Bereits 1993 wurde Monika Hauser vom deutschen Fernsehsender ARD zur «Frau des Jahres» ausgezeichnet. In den folgenden Jahren erhielt sie unzählige Preise, Ehrungen und Auszeichnungen, unter anderem den so genannten Alternativen Nobelpreis «Right Livelihood Award» 2008. Das Bundesverdienstkreuz gab sie 1996 ab, weil die deutsche Regierung bosnische Flüchtlinge trotz der instabilen Lage in ihr Heimatland ausschaffen liess.

«Schulmedizin und internationale Intervention bieten keine echte Hilfe»

Einen Interviewtermin mit Monika Hauser   zu ergattern, war nicht ganz einfach. Zum Glück war sie im Dezember einen Tag lang in der Schweiz, um mit dem Schweizer Stiftungsrat zu tagen. «Frau Hauser hätte ungefähr eine Stunde Zeit für ein Gespräch, wenn Sie es am Flughafen in Zürich führen könnten», meinte ihre Assistentin. Hauser ist sehr oft unterwegs, wirkt entschlossen und zielstrebig. Sie steckt ihre ganze Energie in die politische Arbeit und in die aktuellen Projekte weltweit, die sie alle regelmässig persönlich besucht.

Dass die Schulmedizin allein keine ausreichende Hilfe bietet für Frauen, die im Krieg und im Frieden vergewaltigt und misshandelt worden sind, ist Hauser schon während ihrer gynäkologischen Tätigkeit in Deutschland klar geworden. «Unser Arbeitseinsatz zeichnet sich deshalb durch seine Interdisziplinarität aus – wir unterstützen die Frauen nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch und juristisch, wir nehmen sie ernst und stehen solidarisch an ihrer Seite. Wir leisten keine karitative Hilfe, sondern bieten ihnen eine Perspektive. Sie sollen lernen, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen – vielleicht zum ersten Mal.»

Medica Mondiale möchte den Aufbau in den betroffenen Ländern unterstützen, deshalb arbeitet die Institution nicht nur mit internationalen Partnern, sondern auch immer mit lokalen Fachfrauen zusammen. Das Ziel, dass die einzelnen Zentren mit der Zeit unabhängig werden, wurde letztes Jahr auch in Afghanistan erreicht – nach einer neunjährigen Aufbauphase. Ja, es braucht einen langen Atem, um so weit zu kommen wie Monka Hauser und ihr Team. Denn sie will nicht nur schnell und konkret helfen, sondern auch Strukturen verändern: «Internationale Interventionen sind oft falsch ausgerichtet. Wir wollen, dass Frauen in Kriegsgebieten aus eigener Kraft Neues schaffen können und kämpfen für die Umsetzung der UNO-Resolution 1325, in der die Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen und am Wiederaufbau garantiert wird.»

 

aus: «Ideelle» 1/2013

 

Text: Nicole Maron, Chefredaktorin «Ideelle»

Fotos: zVg Medica Mondiale

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