Kinder sollen das Zusammenleben mitgestalten

Die UNICEF Tagung «Einbezug von Kindern und Jugendlichen auf Gemeindeebene» stiess auf grosses Interesse. Rund 140 Fachpersonen tauschten sich heute in Luzern darüber aus,  wie die Stimme der Kinder systematisch einfliessen kann. Eine Gemeinde, die kinderfreundlich sein will, muss zuerst einmal eines: den Kindern und Jugendlichen zuhören und den Willen bekunden, ihre Anliegen zukünftig systematisch in die Gemeindeentwicklung einzubeziehen.

Doch wie holt man die Stimme der Kinder überhaupt ein, auf welchen Wegen lässt man die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft mitreden und mitbestimmen? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung „Einbezug von Kindern und Jugendlichen auf Gemeindeebene“, die UNICEF Schweiz am 28. Februar 2013 im Hotel Astoria in Luzern durchführte.

Das Interesse an den Herausforderungen und Möglichkeiten von Partizipation war gross. Rund 140 Verwaltungspersonen, Kinderrechtsfachleute, Gemeindebehörden, Raumplanerinnen und -planer sowie Fachpersonen aus dem pädagogischen und sozialen Bereich und dem Gesundheitswesen folgten den Fachreferaten. In Workshops wurden dann spezielle methodische und strategische Fragestellungen vertieft: zum Beispiel, wie man mit Kindern zusammen ihren Lebensraum analysiert, wie man sie in generationenübergreifende Projekte einbindet , wie man einen Aktionsplan erstellt und für Kinderanliegen eine politische Mehrheit findet.

Unterschiedliche Sichtweisen bewusst machen «Wegweisend bei der Konzipierung der Tagungsinhalte waren unsere Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit den Gemeinden bezüglich der UNICEF Initiative ‚Kinderfreundliche Gemeinden‘. Ausserdem flossen unsere Beobachtungen zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Schweiz mit ein», so Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin UNICEF Schweiz, «Generell stellen wir fest, dass in der Schweiz vielerorts die Sichtweisen und eigenen Bedürfnisse von Kindern noch zu wenig berücksichtigt werden – einerseits in der Raumplanung aber auch generell in Verwaltungsverfahren.»

Architekt Ruedi Stauffer  von der Metron Raumentwicklung AG ging im ersten Referat auf die Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Stadtentwicklung ein. Kinder eröffnen den Erwachsenen eine andere Sichtweise auf Prioritäten, Ziele und Werte. Der Grundsatz, Betroffene möglichst früh und von Anfang an in den Planungsprozess einzubeziehen, gälte auch für Kinder und Jugendliche, müsse aber sehr subtil erfolgen. Denn Planungsinhalte seien zu Beginn meist abstrakt und böten für Kinder keine Perspektiven für eine zeitnahe Umsetzung von Massnahmen. Als gutes Beispiel dafür, wie Defizite im Lebensumfeld von Kindern rasch erfasst werden können, nannte Stauffer, das Einrichten eines temporären Quartierbüros im Luzerner Quartier Fluhmühle/Lindenstrasse und die Vereinnahmung desselben durch Kinder und Jugendliche.

Philipp Kutter, Stadtpräsident von Wädenswil und Kantonsrat verdeutlichte sodann den Qualitäts-Gewinn durch die Beteiligung von Jugendlichen an politischen Planungsprozessen. Kinder und Jugendliche hätten ein anderes Zeitgefühl und andere Bedürfnisse als Erwachsene. Dies gälte es zu berücksichtigen. Recht gut gelingt der Einbezug von Kindern und Jugendlichen laut Kutter, wenn konkrete Wünsche wie eine Skateranlage oder einen Jugendraum formuliert sind. Anspruchsvoller ist die Einbindung in übergeordnete, abstrakte Planungsprozesse, zum Beispiel in die Revision der Nutzungsplanung. Hier müssen Kinder und Jugendliche gezielt begleitet und mit dem notwendigen Wissen ausgestattet werden, damit sie sich einbringen können.

Architektin Gabriela Muri Koller vom Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich zeigte das Spannungsfeld auf, das die unterschiedlichen Sichtweisen von Kindern, Eltern, Hauseigentümern und Fachleuten erzeugten. Bezeichnend dafür seien die unterschiedlichen Definitionen von kinderfreundlichen Freiräumen und die Schwierigkeit, einen gesellschaftspolitischen Konsens zu erreichen. So seien viele Eltern nach wie vor überzeugt, dass Kinder in Einfamilienhaussiedlungen die grössten Freiräume genössen. Diesem Bild wiedersprächen aber die meist anregungsarm gestalteten Einfamilienhausgärten.

Zusammengefasst zeigten die Referate auf, dass die Ansprüche an kindergerechte Lebensräume wandelbar, vielfältig und verschieden sind. Und dass sie neue Formen der Vermittlung und der Zusammenarbeit aller Akteure erfordern.

Die Zeit ist reif

«Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Planungs- und Gestaltungsprozessen ist eine komplexe aber lösbare und gerade vor dem Hintergrund der Kinderrechtskonvention unverzichtbare Aufgabe.» betonte Elsbeth Müller. Dass die Fachtagung auf so grosse Resonanz stiess, drückt den breiten Willen aus, diese Herausforderung anzupacken. So waren sich die Tagungsteilnehmenden denn auch durchwegs einig, dass die Partizipation von Kindern und Jugendlichen für die Qualität des Zusammenlebens und für die Entwicklung der Gesellschaft ein Gewinn bedeutet.

Informationen zur UNICEF Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde»:

http://www.unicef.ch/de/so-helfen-wir/kampagnen/kinderfreundliche-gemeinde

 

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